Glück im Unglück
Für Tschaikowskys Kurzoper «Jolanthe» waren Rolando Villazón und Anna Netrebko im Festspielhaus Baden-Baden wieder einmal als Traumpaar gebucht, ehe der mexikanische Tenor im Februar seinen Auftritt wegen akuter Stimmbandprobleme absagte. Glücklich ist das Publikum nach der glanzvollen Eröffnung der Sommerfestspiele trotzdem geworden. Denn Anna Netrebko setzt nach kurzer Babypause bei diesem Rollendebüt im ausgezeichneten Ensemble des Mariinsky Theaters aus St. Petersburg Maßstäbe.
Mit ihrem samtigen, dunkel glühenden Sopran veredelt sie die Lyrismen der ganz nach innen gerichteten Titelpartie. Gerade die Anfänge und Schlüsse ihrer Phrasen sind vollendet. Selbst in dramatischen Ausbrüchen wie beim Lichtduett mit Piotr Beczala (als Graf Tristan Vaudémont) verliert sie nie ihre perfekte Linienführung. Es liegt auch an der Begleitung durch das Orchester des Mariinsky Theaters, dass sich Netrebkos Pianokultur so frei entfalten kann. Dirigent Valery Gergiev spitzt nichts zu. Er lässt diese kantable, ins Süßliche tendierende Musik aus Tschaikowskys letzter Oper fließen. Die Solisten trägt er auf Händen. Ein dunkler, edler Streicherklang bettet die weit gespannten Gesangslinien.
Mit dem ...
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In seiner Schrift «Werk und Wiedergabe» von 1929 schimpfte Hans Pfitzner gegen gewissenlose «Spielleiter», die den Geist der «Meisterwerke» verfälschen würden. Es gebe eine klare Hierarchie zwischen schaffenden und nachschaffenden Künstlern; ein «schöpferischer Interpret» sei ein Widerspruch in sich selbst. Das Schlagwort hieß damals «Klassikertod». Einige Jahre...
Gemäuer, Weinlaub, schiefe Treppen, hinten leuchtet die Toscana. «Kinder, mit Schrotgewehren erschossen, von Baggern überrollt, von Dynamit zerfetzt…» Es ist schön hier, es gibt keinen schöneren Ort als Montepulciano. Die Mafia ist fern, möchte man glauben, aber nun steht da Luciano Violante und rezitiert zu den Tönen eines kleinen Ensembles. Seine Bodyguards haben...
Nun öffne sich der Himmel, und ihrem Sehnen erstrahle das Licht der Ewigkeit», schwärmt Hans Castorp, als er einer Grammophonplatte mit dem Finalduett aus Verdis «Aida» lauscht. Was Thomas Mann seinem «Zauberberg»-Lehrling vor 85 Jahren in den Mund legte, hat der britische Regie-Routinier Graham Vick auf der Bregenzer Seebühne nun wörtlich ins Bild gesetzt: In...
