Sonya Yoncheva als Tosca; Foto: Ann Ray/Metropolitan Opera
Sonnenschein zur Nacht
Die Vorgeschichte der zum Jahreswechsel vorgestellten Met-«Tosca» war aufregender als das, was David McVicars Inszenierung zu bieten hatte: fade Personenregie plus Ausstattungspomp à la Zeffirelli, der freilich bei jeder neuen Szene vom konservativen Stammpublikum des Hauses lautstark bejubelt wurde. Mit Luc Bondys längst entsorgter «Tosca» aus dem Jahr 2009 hatte Intendant Peter Gelb eigentlich eine neue Phase einleiten wollen: Die Dauerbrenner des Repertoires sollten künftig auf der Bühne mit etwas mehr Wagemut angepackt werden.
Leider konnte Bondy in New York nicht an seine besten Regiearbeiten anknüpfen, schon vor der Premiere (und auch danach) veranlasste die Met-Leitung Eingriffe in die Produktion. Manche Geldgeber waren verstimmt, mehrere interessante Projekte, darunter eine für die Spielzeit 2017/18 geplante Bieito-Inszenierung von «La forza del destino», wurden abgesetzt. Auch die nun präsentierte «Tosca» stand unter keinem guten Stern: Nahezu alle für die Hauptrollen annoncierten Mitwirkenden sprangen ab – Jonas Kaufmann, Kristīne Opolais, Bryn Terfel, Andris Nelsons – oder wurden gefeuert – Nelsons’ Ersatz James Levine.
Zwar waren Sonya Yoncheva (Tosca) und Vittorio ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von David Shengold
Manchmal genügen, damit sich Glücksfalten auf die Stirn legen, fünfeinhalb Weltminuten. Und eine Sängerin, die sich für diese Augenblicke alles aufgehoben zu haben scheint: die einsam hohe Kunst der cremigen Phrasierung, hell-licht schwebende Spitzentöne, glühende Piani, gutturale Versenkung in vorgeformte Abgründe. Es ist das dritte Bild in Umberto Giordanos...
Der kurze Sommer der Anarchie dauert an. Mit unverminderter Kraft, mit frech-frivolem, umgekehrt-erhabenem Geist. Doch nicht durch die großen Berliner Häuser wandelt derzeit die kecke Gestalt. Man muss in die Seitengassen der bundesdeutschen Kapitale abbiegen, um ein Musiktheater zu erleben, das in einer Gesellschaft von Singularitäten jenen Gegenzauber entfacht,...
Zwei Orpheus-Opern aus dem frühen 17. Jahrhundert: Auf der einen Seite Monteverdis favola in musica «L’Orfeo» aus dem Jahr 1607, ein früher Höhepunkt der noch jungen Gattung, auf der anderen Luigi Rossis gleichnamige tragicomedia, die 40 Jahre später am Pariser Hof zur Uraufführung gelangte und als von Kardinal Mazarin bewusst gesetzte Geste einer Italianisierung...
