Triumph der jugendlichen Liebe

René Jacobs komplettiert seinen Mozart-Zyklus mit einer Neuaufnahme der «Entführung aus dem Serail»

Opernwelt - Logo

Mit der «Entführung aus dem Serail» beendet René Jacobs seinen vor 16 Jahren begonnenen Zyklus der Studioproduktionen von Mozarts großen Opern. Er präsentiert das Stück so, wie Mozart es konzipiert hat – als Singspiel mit den ungekürzten, wo nötig allerdings zeitgemäß veränderten Dialogen. Das ist freilich nicht so sensationell neu, wie er wohl glaubt.

Hörspielfassungen von Dialogopern haben die meisten deutschen Funkanstalten in den 1950er-Jahren produziert; in einer Aufnahme der «Entführung» des NWDR Hamburg von 1954 begegnen uns als Sprecher etwa die Gründgens-Schauspieler Max Eckard und Hermann Schomberg.

Jacobs freilich lässt die Sänger selbst sprechen und untermalt ihre Texte hier und da atmosphärisch durch Geräusche – Peitschenschläge  Osmins, Vogelstimmen im Park des Bassa, Eulenrufe bei der mitternächtlichen Entführung – oder Improvisationen des Hammerklaviers, die das Geschehen nach Art eines Melodrams musikalisch akzentuieren. Diese Aufwertung der äußeren Handlung gibt auch dem inneren Drama der Musik mehr Gewicht, zumal die Sänger ihre ungewohnte Aufgabe überzeugend erfüllen und das Ganze ausgesprochen lebendig, ja spannend wirkt. Schade nur, dass der einzige Profi, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Mal ehrlich: Aus dem Leben eines Taugenichts

Opernsänger sollen ja so geldgeil sein. Mi-mi-mi-mi-mi-mehr-Gaaaage! Ich finde das unfair. Wir glauben nämlich, die Dirigenten kriegen zu viel Kohle. Wenn man mal die Menge Klang bedenkt, die sie in den Aufführungen faktisch beitragen. Ein Stöhnen hier, ein Grunzen da – sonst ist von ihnen doch praktisch nichts zu hören.

Aber darüber will ich mich jetzt gar nicht...

Apropos... Kapellmeister

Herr Meister, Sie sind Chefdirigent des RSO Wien. Musikchefs sind in  Wien rar. Werden Sie am Karlsplatz schon auf Händen getragen?
Nicht, dass ich wüsste ... Obwohl: Ich bin mal kurz hintereinander mit demselben Wiener Taxifahrer gefahren. Als ich ihn auch beim zweiten Mal bat, die Musik im Radio abzuschalten, meinte er: «Ach ja, ich erinnere mich: Sie sind doch...

Musterhaft dosiert

Nicht dass er unzufrieden wäre mit seiner Karriere. Aber eine Sache wurmt Mariss Jansons schon: Oper, die hätte er gern häufiger dirigiert. Vieles spielt da eine Rolle. Gewiss sein Herzinfarkt 1996 während einer «Bohème», aber auch sein Hang zum Kontrollator – der 72-Jährige fühlt sich unwohl, wenn er nicht Herr selbst der kleinsten Dinge ist. Im aufwendigsten...