Gerettet
Dalibor ist gleich Florestan, Milada gleich Leonore, Wladislaw gleich Pizarro, Beneš gleich Rocco: Das Spiel geht – abgesehen von kleineren inhaltlichen Details – fast auf. Weniger mit einem Bedřich Smetana auf Plagiatstrip hat das zu tun, sondern mit dem Genre an sich. Rettungsopern bildeten ab Ende des 18. Jahrhunderts ein eigenes Biotop, behaupten kann sich bis heute nur Beethovens «Fidelio». Das könnte, ja sollte nun anders werden. Smetanas «Dalibor» wurde vom Staatstheater Augsburg dem Archiv entrissen, Frankfurt zieht im kommenden März nach.
Milada will, als Mann verkleidet, ihren geliebten, wegen Mordes verurteilten Dalibor aus dem Kerker befreien. König Wladislaw lässt ihn hinrichten, obwohl sich der Herrscher in einer reichlich späten Aufwallung nach Frieden sehnt. Bei der Revolte gegen ihn kommt auch Milada um. Nicht immer entwickelt sich diese auf Sagenhaftem basierende Handlung ohne Widerhaken, die theaterpralle, effektvolle Musik lässt einen allerdings die Waffen strecken.
Smetanas «Mein Vaterland» hört man deutlich heraus. Und doch darf man das nicht vorschnell unter Nationalpathos verbuchen. Hier erhebt sich kein unterjochtes Volk gegen fremde Mächte, der ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Markus Thiel
Herr Dove, was ist so komisch an Karl Marx?
Der Kontrast zwischen seinem monumentalen Werk und einem chaotischen Privatleben. Marx’ ökonomische Theorien haben die Welt verändert, doch er selbst war unfähig hauszuhalten. Er schrieb über Geld, hatte selber aber selten welches. Und während er sich in der Theorie für die Rechte der Arbeiter einsetzte, wünschte er sich...
Wenn der Vorhang aufgeht, dann muss es krachen», sagt Anno Schreier in einem Radiointerview. Der Karlsruher Komponist (Jahrgang 1979) setzt nicht auf experimentelle Spieltechniken, elektronische Verfremdungen oder Geräusche, er arbeitet mit einer eher traditionellen Tonsprache, in der auch Dur-Akkorde und weit gespannte Kantilenen vorkommen dürfen. Ähnlich wie...
Mit seiner ersten Oper «Benvenuto Cellini», die 1838 an der Pariser Opéra herauskam, hatte Hector Berlioz wenig Glück. Dramaturgische Schwächen und musikalische Längen standen einem Publikumserfolg im Wege. Auch spätere Überarbeitungen (etwa für Franz Liszt in Weimar) hatten nicht die gewünschte Wirkung. Erst in den 1960er-Jahren, als Nicolai Gedda den wie für...
