Maßlos aus Prinzip
Die Ersten waren sie nicht an der Deutschen Oper Berlin. Das «Wunder der Heliane», Erich Wolfgang Korngolds lange geschmähtes opus maximum, wieder ganz groß herauszubringen – dieser Aufgabe hatte sich das kleine Pfalztheater in Kaiserslautern bereits 2010 gestellt. Auch der Opera Vlaanderen war das überbordende Werk unlängst einen szenischen Wiederbelebungsversuch wert. Aber so richtig offenbart sich das Potenzial des hochfliegenden Stücks erst durch die ins Menschliche transponierte Deutung Marc Albrechts und Christof Loys in Berlin.
Ein Coup gelang Hermann Bäumer und Anselm Dalferth am Staatstheater Mainz: Dort feierte der «Antikrist» Auferstehung, das hypertrophe Mysterienspiel des dänischen Komponisten Rued Langgaard – ein betäubend-hellsichtiger Zauber
Erich Wolfgang Korngolds «Das Wunder der Heliane» ist kein Werk des Maßhaltens. Vom ersten bis zum letzten Takt geht ein Zug des Schwelgerischen und Exzessiven durch die Partitur, ein unersättliches Ausströmen von Melodien, luxurierenden Orchesterfarben und schierer klanglicher Ekstase, das kaum je Momente der Zurücknahme oder rezitativischer Dialogführung kennt. Die Musik, so beschrieb es Elsa Bienenfeld als Rezensentin der ...
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Opernwelt Jahrbuch 2018
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 44
von Arne Stollberg
Die Inszenierungen, in denen sie auftrat, besaßen wenig oder gar keine Sprengkraft. Umso mehr durfte man sich an der vokalen Virtuosität erfreuen, die Anna Netrebko versprühte – als Maddalena di Coigny im Mailänder «Andrea Chénier», wo sie für «die einsam hohe Kunst der cremigen Phrasierung, hell-licht schwebende Spitzentöne, glühende Piani und gutturale...
Toshio Hosokawas Musik lebt aus dem Spannungsverhältnis von japanischer Tradition und westlicher Avantgarde. Drei seiner Opern – «Hanjo» (2004), «Matsukaze» (2011) und zuletzt «Stilles Meer» (2016) – beruhen auf Stoffen des japanischen Nō-Theaters. Für sein jüngstes Musiktheaterwerk «Erdbeben. Träume» hat Hosokawa sich, wie bei seinem Erstling «Vision of Lear»...
In der vergangenen Spielzeit machten diese neuen Stücke den stärksten Eindruck: Heinz Holligers «Lunea» nach Nikolaus Lenau in Zürich (die «Uraufführung des Jahres»), Aribert Reimanns «L’Invisible» nach Maurice Maeterlinck an der Deutschen Oper Berlin, Toshio Hosokawas «Erdbeben. Träume» nach Heinrich von Kleist in Stuttgart und Arnulf Herrmanns «Der Mieter» nach...
