Berg: Wozzeck

Lübeck

Opernwelt - Logo

Ein starkes Stück. Auch wenn man es mit traditionellen Mitteln auf die Bühne bringt. Wie jetzt in Lübeck, wo Regisseur Marc Adam dem Werk keinerlei Gewalt antat, sondern – konzentriert auf die Darsteller und ihre Körpersprache – Bergs «Wozzeck» als Tragödie der Beziehungslosigkeit unter den Menschen entwickelte. Der fast requisitenfreie, leere Raum als Ort, wo die Menschen sich zwar begegnen, aber doch aneinander vorbeileben. Wo Bindungsversuche, gleich welcher Art, zum Scheitern verurteilt sind.

Wo auch das kleine Stückchen Geborgenheit, das man erreicht hat (Maries Stube wird da­für zur szenischen Metapher), wieder verloren geht: «Der Mensch ist ein Abgrund.»
Adams Inszenierung ist einfach, eingängig, beschränkt sich dennoch nicht auf realistisches Nacherzählen. Immer wieder wird eine zweite Sinnebene mitgedacht und mitgezeigt – sei es durch das Bataillon von Funkenmariechen, das der weibergeile Tambourmajor anführt, sei es durch den plötzlichen Wechsel ins Schattenspiel, das die Krise in der Beziehung zwischen Marie und Wozzeck optisch verdeutlicht, oder durch den unheimlichen Lemurentanz in der Schenke nach Mariens Tod. Facettenreich und trotzdem geradlinig wird das düstere ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 53
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ausblicke für Aficionados

Wenn der südamerikanische Sommer zu Ende geht, erwacht die Opernszene in Buenos Aires. Aus rund vierzig Produktionen kann das Publikum in der Spielzeit 2006/07 wählen – und diese Angebote sind keineswegs auf das ein­zige über Argentinien hinaus bekannte Haus, das Teatro Colón, beschränkt. Schon deshalb nicht, weil das Colón sein Stamm­quartier von Oktober dieses...

«Dass wissend werde ein Weib»

Der Beginn gehört Brünnhilde allein. Leise, auf Zehenspitzen stiehlt sie sich im Dunkel der Nacht zwischen den vier turmhohen, fast schon leer geräumten Regalen einer in Auflösung begriffenen Bibliothek hindurch und beginnt zu lesen,  noch bevor im Orchestergraben die Tiefen des Rheins überhaupt zu sprudeln beginnen und der urzeitliche Mahlstrom die ersten...

Italienischer «Parsifal»

Im Zuge seines langfristig angelegten Ausgrabungsprojekts von italienischen Raritäten aus dem frühen 20. Jahrhundert hat das römische Opernhaus «La leggenda di Sakùntala» (Die Legende der Sakùntala) zur Diskus­sion gestellt: Franco Alfanos zu Lebzeiten erfolgreiches, inzwischen vergessenes Hauptwerk. Es entstand nach einem selbstverfassten Libretto auf der Basis...