Karneval der Stereotype
Der Ort, den sich die Birmingham Opera Company für ihr diesjähriges Großprojekt ausgesucht hat, liegt in einer rauen Gegend. Man kann bloß hoffen, dass Autoklauer bei diesem Wetter lieber zu Hause bleiben: Regen trommelt Wirbel auf Dixi-Klodächer. Die großen Zelte, die als Backstage-Bereich dienen, versinken langsam im Schlamm. Generatoren rumoren.
Innen posiert die Lagerhalle als Flughafenterminal, und wer «The Ice Break» hören will, muss zuerst die «UK Border» passieren. Michael Tippetts vierte Oper wurde am 7.7.1977 vom Royal Opera House uraufgeführt.
Kurz danach versuchten sich Kiel und Boston an dem Stück, 1990 gab es noch einmal eine konzertante Version. Dann überließ man es gnädig dem Vergessen. Auch nach Lektüre des vom Komponisten selbst verfassten Librettos kann man nur ahnen, worum es geht: Da ist Yuri (Ross Ramgobin), der Gewalt sehr wohl für eine Lösung hält und sowohl mit seinem pazifistischen Vater Lev (Andrew Slater) als auch seiner verträumten Mutter Nadia (Nadine Benjamin) im Clinch liegt. Seine Freundin Gayle (Stephanie Corley) betrügt ihn mit dem schwarzen Sportstar Olympion (Tu’a Pupu’a). Den lyncht dann allerdings ein fremdenfeindlich gestimmter Mob. Yuri wird ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Wiebke Roloff
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