Höhenfieber
Rossinis Tenorpartien galten lange Zeit als beinahe unsingbar: sehr hoch und überaus virtuos, mit einer an Verdi oder Puccini geschulten Stimme kaum oder gar nicht zu realisieren und auch für typische Mozartsänger weitgehend unzugänglich. Zu den spannenden Entwicklungen im Operngesang der letzten Jahrzehnte gehören die vielen ambitionierten Versuche von Tenören wie Rockwell Blake, William Matteuzzi oder Bruce Ford, stimmliche Wege zur Erschließung dieses Repertoires zu suchen und zu finden.
Lawrence Brownlee gehört bereits zur nächsten Generation der Rossini-Tenöre.
Die technische Meisterung der anspruchsvollen Partien ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, sie wird, anders als noch bei Rockwell Blake, nicht hörbar ausgestellt, sondern ist integraler Bestandteil des künstlerischen Vortrags. Auch aufführungspraktische Aspekte sind Brownlee wohlvertraut: Er weiß, wo Appoggiaturen zu setzen sind, er kennt die Freiräume, die Rossinis Musik bietet, und weiß sie mit Geschmack auszufüllen.
Brownlees wunderbar weiche Stimme ist hell timbriert, dabei etwas dunkler und runder als die von Juan Diego Flórez. Doch im Unterschied zu seinem peruanischen Kollegen fehlt Brownlee die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Thomas Seedorf
Robert Schumann meinte zum Finale von Chopins b-Moll-Sonate ratlos-lakonisch: «Musik ist das nicht.» Was aber ist es dann? Abgründig nennt sie Victor Hugo «das Geräusch, das denkt»: der Klang als autonomes Subjekt. Beethovens Credo «Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie» hat den metaphysischen Anspruch noch einmal übersteigert: Komponieren...
Herr Kmentt, Sie haben unzählige Schallplatten gemacht, waren aber zugleich eine echte Wiener Ensemblepflanze. War der Schutzraum der Wiener Staatsoper mitverantwortlich für die Dauer Ihrer über 40-jährigen Karriere?
Nein, ich glaube nicht. Jeder muss mit seinen eigenen Problemen kämpfen, ob innerhalb oder außerhalb eines Ensembles. Ich erhielt gleich zu Anfang...
In Verdis «Don Carlos» hat die Macht eine Stimme. Doch anders als der Großinquisitor bleibt sein französischer Verwandter Kardinal Richelieu in diesem Stück stumm – ein dunkler Fürst, der nun, provoziert vom Marquis de Cinq-Mars, für einen Zeithauch ins Wanken gerät. Einiges erinnert bei Charles Gounod an das Kräfteviereck im populären anderen Werk. Auch bei Gounod...
