Der Held, hilflos
Ein Un-Ort. Ein ungemütlicher Platz. Auf der weiten Basler Arbeitsbühne etliche Wasserbeete und ein gewaltiger Kran, dessen untere «Etagen» etwas bemüht auch Desdemonas Gemach hergeben. Susanne Gschwenders «Otello»-Szene sagt viel – vor allem, dass niemand freiwillig hier ist.
Schon gar nicht die gefesselten und von Stacheldraht eingezäunten Massen, die am Sturmbeginn zum Sieges- und Rettungsjubel verdonnert sind – die gefangenen Türken, die Kriegsbeute des venezianischen Feldherrn Otello? Oder ist es ein vom Mittelmeer ausgespuckter, elender Flüchtlingstross? Einer wird später brutal am Kran aufgehängt. Ein durch und durch Unglücklicher ist auch der Titelheld. Seine planmäßige Auslöschung durch Jago behält der Regisseur Calixto Bieito, artist in residence am Haus, unablässig im Auge: eine Demontage par excellence durch einen im Grunde blässlich-langweiligen, dabei eiskalten Technokraten der psychischen Zerstörung. Ingo Krügler hat ihn wie alle anderen venezianischen Granden denn auch in formell-unauffälliges Grau-in-Grau gekleidet.
In diesem Klima kann keine Zuneigung gedeihen – denkbarer Titel: Von einstiger Liebe. Von nichts anderem handelt Desdemonas und Otellos großes Duett ja ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Heinz W. Koch
Kurios, Mozarts frühe azione sacra: Alle Zeit der Welt wird da mit einem Gottesbeweis zugebracht. Ozìa, Fürst der belagerten Stadt Betulia (Anicio Zorzi Giustiniani), versucht Anchior (István Kovács) zu missionieren, einen Prinz aus dem feindlichen Lager. Mit Vernunft, wohlgemerkt: Da weht der Geist der Aufklärung. Besonders anschaulich ist das natürlich nicht –...
Er hatte wohl recht, jener Kritiker der halboffiziellen «Gazzetta privilegiata di Venezia», als er Verdis «Simon Boccanegra» nach dem Uraufführungsfiasko im März 1857 «eine vielleicht zu gewaltige, zu ernste Musik» bescheinigte und diagnostizierte, «eine Grabesstimmung» beherrsche die Partitur. Tatsächlich hatte Francesco Maria Piave, der Librettist der Urfassung,...
Dem 1649 am Teatro San Cassiano in Venedig uraufgeführten «Giasone» war schon zu Francesco Cavallis Lebzeiten internationaler Erfolg beschieden. Warum fiel «Elena», die zehn Jahre später über die Bühne desselben Opernhauses ging, alsbald in einen 350-jährigen Schlaf? Angesichts des Triumphes bei ihrer «zweiten Uraufführung» 2013 auf dem Festival von Aix-en-Provence...
