Ins Absurde getrieben
Vielleicht ist die freche Münchner Neuinszenierung von Pfitzners «Palestrina» tatsächlich das Beste, was man dem Stück heute angedeihen lassen kann: die pop-ästhetische Aushebelung frommer Demutshaltung und historischer Einfühlung mit Hilfe von Geometrie und Ironie. Das Ganze lebt von konstruktivistischen Bühnenschnitten und absurdem Popanz in knalligem Pink und Grün.
Christian Stückl, Oberammergauer Passionsspielleiter und Münchens Volkstheaterintendant, konterkariert zusammen mit seinem Bühnenausstatter Stefan Hageneier alles Tümelnde um den berühmten Renaissance-Komponisten und das Kirchenkonzil von 1563, tilgt alles Behäbige in dem Kampf des einsamen Genies um Kreativität, Akzeptanz, Überleben im Dienst einer autoritären Kirche.
Verschwunden ist in dieser Aufführung die Betulichkeit eines zwischen politischen und theologischen Interessen eingeklemmten Künstlerschicksals. Allerdings behält Giovanni Pierluigi da Palestrinas von Depression und Selbstbehauptung bestimmtes Geschick Züge einer Existenzkrise. Es war Intendant Nikolaus Bachler, der nach Neuproduktionen von «Macbeth» und «Wozzeck» das ominöse Stück des anrüchigen deutschen Komponisten unbedingt in seinen ersten ...
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Korngolds «Tote Stadt» hätte in Venedig, das wie keine zweite Metropole den Genius des Gewesenen feiert, eigentlich ein Heimspiel werden müssen. Zumal wenn ein Ästhet wie Pier Luigi Pizzi inszeniert. Das Ergebnis fiel zur Spielzeiteröffnung am Teatro La Fenice ernüchternd aus. Pauls Zimmer war auf die Vorbühne verbannt: eine recht sterile Orgie aus weißen Lilien...
Erst vor ein paar Monaten war Tschaikowskys «Pique Dame» als Gastspiel des Petersburger Mariinsky-Theaters in der Deutschen Oper zu sehen; auch die Produktion der Staatsoper unter Daniel Barenboim mit Plácido Domingo liegt noch nicht lange zurück. Die Komische Oper musste also triftige Gründe haben, dieses Stück in einer neuen deutschen Textfassung von Bettina...
An drei Orten gleichzeitig wurde «Der Silbersee» am 18. Februar 1933 uraufgeführt: in Magdeburg, Erfurt und Leipzig, dort unter Tumulten – keine drei Wochen nach der Machtergreifung Hitlers und vier Wochen, bevor Weill Hals über Kopf vor der Gestapo nach Frankreich fliehen musste. Regie führte in Leipzig Detlef Sierck, der später als Douglas Sirk in Hollywood...
