Andeuten, Ahnen, Verschweigen
Düsternis liegt auf der Bühne, graue Schlieren schwärzen sich nach und nach ein. Drei Podeste, nach hinten gestaffelt, heben und senken sich, gegeneinander versetzt. Auf dem mittleren steht Otello, das sturmgepeitsche Meer fest im Blick. Man meint die perlende Gischt auf der Haut zu spüren, während der Chor um die heile Rückkehr des Kommandanten und seiner Mannschaft zittert.
Überall Uniformen, grimmig blickende Männer, Zahnräder, Kolben, Kessel, eine Dampfmaschine: In Erfurt siedelt Intendant Guy Montavon «Otello» in der Epoche des Ersten Weltkriegs an (die Spielzeit 2014/15 widmet er unter dem Motto «Geliebter Feind» dem französischen Repertoire). Im Jubiläumsjahr mag das keine große Überraschung sein, aber egal: Dieser «Otello» ist eine starke Inszenierung geworden. Weil sie das gärende Gemisch aus Verschweigen, Andeuten, Ahnen hervorkehrt, das Verdis Vorlage charakterisiert – den Shakespeare’schen «Othello»-Ton, in dem das Wesentliche unausgesprochen bleibt: Desdemona stellt ihren Mann nie ernsthaft zur Rede. Die Kulissen sind in strenge geometrische Formen gegossen, die die Ausweglosigkeit des Geschehens betonen.
Das Philharmonische Orchester Erfurt unter Tyrone Paterson ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Udo Badelt
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Peter Konwitschny ist mit Johann Sebastian Bach groß geworden. Weil sein Vater Franz von 1949 bis 1962 Gewandhauskapellmeister war, wuchs er in der Bach-Stadt Leipzig auf. Viel später, an der Oper, wo er von 2008 bis 2011 Chefregisseur war, begann er, sich die Kantaten vorzunehmen: «Ich habe genug» war 2009 die erste, 2010 folgte «O Ewigkeit, du Donnerwort» (BWV 60...
Gerhard Persché: Letztes Jahr störte der Schriftsteller Philip Hensher das Britten-Centenary, indem er die Meinung vertrat, nicht eine einzige von Brittens Opern wäre musikalisch so interessant wie «Punch and Judy». Ob Britten spürte, dass ihn da einer überflügelte und deshalb 1968 aus der Uraufführung von Harrison Birtwistles bitterbös-skurriler Tragikomödie floh?
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