Oper am offenen Herzen
Wenn ein Musik-Festival schon «UltraSchall» heißt, ist es bis zur «Oper am offenen Herzen» nicht weit. Derart kalauernd haben die Autoren einer «Opernsaga» namens «Kommander Kobayashi» ihr Vorgehen beschrieben. Diagnose: OP(er) dringend erforderlich, Praxisgebühr von 13 Euro bitte an der Abendkasse entrichten. Ergebnis: Patient lebt, ist aber kaum wiederzuerkennen.
Der Reihe nach: Das von Deutschlandradio und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg veranstaltete hauptstädtische Avantgarde-Fest hat zwei Musiktheater-Produktionen gezeigt, die ursprünglich aus Hamburg stammen und verschiedener kaum sein könnten. Zunächst «St. Jago», vor fünfzehn Jahren entstandene «Musik und Bilder zu Kleist» von Dieter Schnebel, der in diesem Monat seinen 75. Geburtstag feiert.
In seinem Einakter stützt sich Schnebel hauptsächlich auf die Erzählung «Das Erdbeben in Chili» und stellt ihr Dokumente zu Kleists Tod voran. Trotz der beachtlichen Ausführung durch Gesangsquartett und Sprechertrio, begleitet vom Kammerensemble Neue Musik Berlin unter Steffen Tast – die «musikalische Lesung», im Programmheft als «parametral überformt» charakterisiert, geriet zäh. Das lag nicht nur an dem schuhschachteligen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Musikalisch ist dieser «Eugen Onegin» top. Roman Kofman hält sein Beethoven Orchester zu koloristischer Detailgenauigkeit an, der leicht dunkel getönte Sopran der 29-jährigen, ihr West-Debüt absolvierenden Irina Oknina gibt Tatjana reizvollen Umriss, Peter Danailov (Onegin) zeigt nach betont maskulinen Verdi-Partien überraschend weiche Facetten in Gesang und...
Die Musikgeschichte hält Schubladen bereit, meist für Künstler, die sich auf einem Gebiet besonders profiliert haben. Das ist bequem. Offenbach etwa steckt in der Operetten-Schublade. Und Johann Mattheson – war der überhaupt Komponist? – klemmt im Musikschriftsteller-Fach. Manch Aufschlussreiches erfährt man über das Musikleben im 18. Jahrhundert bei ihm....
Man muss es nicht so drastisch formulieren wie Gerard Mortier. Der Intendant in Brüssel, Salzburg und jetzt in Paris sah sich und seine Kollegen als Täter: «Jahrelang haben wir so genannten Opernintendanten wie die Vampire frisches Lebensblut gesogen aus der Film- und Schauspielregie.» Nicht immer brachten diese Blutübertragungen den erhofften (Über-)Lebenssaft,...
