Nachdenken über den Schalk aus Pesaro
Rossini – «eine mediterrane Frohnatur»? Mitnichten: «Tatsächlich war [er] jahrzehntelang ein schwerkranker Mann.» Arnold Jacobshagen unterzieht in seinem Rossini-Buch viele lieb gewordene Mythen einer kritischen Überprüfung, mal systematisch (wenn er sich den verschiedenen Operngattungen in Rossinis Werk und später dessen möglichen Vorbildern widmet), mal unsystematisch in prägnanten Kurz-Essays zu Stichworten wie «Kreativität», «Humor», «Leid», «Understatement» oder «Erfolg».
Dabei wägt er bedächtig verschiedene Forschungsmeinungen gegeneinander ab, schöpft aus seinen eigenen Studien zur Opernpflege in Neapel in den für Rossini entscheidenden Jahren zwischen 1815 und 1822, fragt nach dem spezifisch Modernen in Rossinis kompositorischem Denken und vergisst nicht dessen Vorliebe für gutes Essen (das er selbstverständlich nicht selbst zubereitete, sondern von Profis kochen ließ).
Ein Rossini-Bild aus einem Guss entsteht so nicht. Aber das wäre ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit angesichts der schillernden Vielseitigkeit des Komponisten und der eklatanten Widersprüche der Epoche. Vielmehr lernt der Leser einen herausragenden Künstler in zahlreichen Facetten kennen: als feinsinnigen, ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Anselm Gerhard
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