Liebe in den Zeiten des Todes
Traumwelt: Welt der Verdrängung, des Subtextes, der Reise in Vorzeiten. Wie es sich anfühlt, diese Welt zu betreten, hat der Philosoph Christoph Türcke höchst anschaulich formuliert.
Sich auf den Traum einlassen, schreibt er gleich zu Beginn seines faszinierend eigensinnigen Buches «Die Philosophie des Traums», «heißt in den Untergrund gehen: allen festen Halt preisgeben, den das Establishment eingeschliffener Sitten und Gewohnheiten, Wahrnehmungs- und Denkformen zu bieten pflegt, und abtauchen in jene Vorzeit, jene disparate, diffuse halluzinatorische Empfindungs- und Bilderwelt, aus der menschliche Kultur sich einst mühsam erhoben hat».
In solch einer flirrend-verrätselten Welt lebt Paul, der Antiheld aus «Die tote Stadt». Er lebt in der Vergangenheit, in der seine Angebetete Marie noch lebendig war. Nicht eine Sekunde will es dem jungen Mann gelingen, diese Welt und ihre weibliche Magie zu verlassen. Er hat sich in ihr eingenistet wie in einem Museum der Erinnerung.
Kasper Holtens fantasiereich-schwärmerische Inszenierung an der Finnischen National-
oper erzählt davon. Sie erzählt die Oper als Allegorie eines Totenkults, als Allegorie aber auch einer bis weit über den Tod hinaus ...
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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Larina erwartet Gäste und zwängt sich, assistiert von Filipjewna, in ein viel zu eng gewordenes Kostüm. Ihr Körper vibriert in verzückter Tanzbereitschaft. Später, wenn die Landleute auftreten und ihr huldigen, legt sie eine flotte Sohle aufs Parkett. In der Inszenierung von Andrejs Zagars ist die Gutsbesitzerin eine abgedankte Theaterprinzessin, die auch auf dem...
Neben Enrico Caruso dürfte der Schwede Jussi Björling der auf CD meistrecycelte Tenor der Geschichte sein. Seine zahlreichen Studioaufnahmen bei EMI und später RCA erleben immer neue Auflagen (auch bei Low-Budget-Labels), seine wichtigsten Auftritte an der Metropolitan Opera sind komplett dokumentiert, dazu gibt es zahlreiche Mitschnitte seiner Liederabende aus den...
Opern mit nur einem Akt sind in der Regel beim Publikum nicht sehr beliebt – Ausnahmen («Salome», «Elektra», «Bajazzo» mit «Cavalleria rusticana») bestätigen die Erfahrungen. Und Puccinis «Il trittico» zieht sich oft ziemlich in die Länge, so dass manche Theaterleiter kurzerhand nach der Premiere die «Suor Angelica» in den Fundus verbannen. An der Opéra de Lyon...
