Ausgegraben, angestaubt
Die Ära der romantischen Belcanto-Oper hat Konjunktur. Immer neue abgelegene Werke kommen ans Licht, die Lücken füllen, das bereits bekannte Repertoire aber nicht zwingend aufwerten – das gilt jedenfalls für drei aktuelle Veröffentlichungen von Live-Aufnahmen der jüngsten Zeit.
Gioacchino Rossini konnte mit seiner für Rom komponierten Opera seria «Adelaide di Borgogna» (1817), ein Werk über die Befreiung Adelheids von Burgund durch Kaiser Otto den Großen, nicht mehr als einen Achtungserfolg erringen.
Nach 1825 soll das Stück nirgends mehr gespielt worden sein. Dabei fehlt es der Musik nicht an Einfallskraft und gelegentlich tragischem Pathos. Vor ein paar Jahren hat Opera Rara den Mitschnitt einer konzertanten Aufführung herausgebracht. Die szenische Reprise in Pesaro war demnach eine echte Ausgrabung – aber keine Neubelebung. Pier’Alli pflegt einen musealen Inszenierungsstil, schablonenhaft, mit rudimentärer Personenführung. Die Langeweile des szenischen Geschehens wird durch simultane Videoprojektionen aufgemotzt. Daniela Barcellona wirkt als Ottone in Rüstung und Helm unfreiwillig komisch, und Jessica Pratt muss sich als Adelaide in affektierten Posen winden. Gesanglich und ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Ekkehard Pluta
Unter den aktiven Countertenören unserer Zeit zählt der 1955 geborene Dominique Visse schon zu den Veteranen. Bereits Mitte der 1970er-Jahre machte er als Solist in der Alte-Musik-Szene auf sich aufmerksam, 1978 gründete er das Ensemble Clément Janequin, das sich auf Musik der Renaissance spezialisierte und immer noch existiert. Auch auf der Opernbühne konnte Visse...
Seit Christoph Meyer 2009 die Leitung übernommen hat, ist es still geworden um die Rheinoper. Man produzierte gediegene Kulinarik, überregionaler Glanz ging ausschließlich vom Ballett unter dessen genialem Chef Martin Schläpfer aus. Zum Wagner-Jahr zeigte das einst als «Bayreuth am Rhein» geltende Haus bislang eine zahnlose Uraufführung von Helmut Oehring. Jetzt...
Er war eine Instanz. Die Instanz. An ihm kam kein Impresario, kein Komponist vorbei, der im 18. Jahrhundert auf Ruhm und Reichtum spekulierte. Poeta Cesareo der Habsburger, Staatsdichter Karls VI. und Maria Theresias. Wenn das höfische Musiktheater einen «Weltstar» hinter den Kulissen hatte, so war es der Römer Antonio Trapassi. Unter dem Namen Pietro Metastasio...
