Ungefähre Welt
Das Werk hat es, ohne Wenn und Aber, verdient, aufgeführt zu werden, nach doch recht langer Zeit der ungerechten Behandlung. 1920 unter dem Titel «Die Vögel» (nach der gleichnamigen Komödie des Aristophanes) in der Musikwelt erschienen, wurde Walter Braunfels‘ spätromantische Allegorie auf die Möglichkeiten einer besseren, humaneren Welt nach nur wenigen Aufführungen von den Nationalsozialisten verfemt und aus dem Repertoire geworfen – mit der Folge, dass es für eine halbe Ewigkeit in den Schubladen liegen blieb: Musikgeschichte ist zuweilen erinnerungsresistent.
In Bremen und dann in Köln wurde die Oper, deren stilistische Individualität frappiert (trotz oder gerade wegen der Nähe zum spätromantischen, die Moderne in den Blick nehmenden Habitus, zu Strauss, Wagner, ein bisschen auch zu Pfitzner, Schreker) in jüngerer Vergangenheit wieder ins Scheinwerferlicht gestellt. Eine gewisse Etablierung ist die Folge. Wenn nun ein vergleichsweise kleines Haus wie das Mittelsächsische Theater in Freiberg mit diesem Werk seine neue Intendanz (Manuel Schöbel, erfahrener Theatermann, ist seit Beginn der Spielzeit im Amte) gleichsam klingend einberuft, dann wird man hellhörig: Denn nicht nur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mangelnde Originalität im Mozart-Jahr kann man dem Opernhaus von Cagliari nicht vorwerfen. Die in dem sardischen Theater entstandene Ersteinspielung von Jules Massenets «Chérubin» ist ein überraschender Beitrag zur Rezeption der da-Ponte-Opern. Cherubino erscheint in Massenets später Comédie chantée als siebzehnjähriger Bursche, der bereits etliche Liebesabenteuer...
Kein Grund zum Schwarzsehen: In Hannover bietet das Niedersächsische Staatstheater die Geschichte vom Mohren von Venedig zwar gleich im Doppelpack, aber sowohl im Schauspiel wie in der Oper gibt es zum Saisonauftakt mehr nackte als schwarze Haut zu erleben. Im Staatsschauspiel präsentierte Regisseur Las-Ole Walburg Shakespeares «Othello» mit einer Titelheldin (!),...
Gefängnisse waren in der Operngeschichte immer Stellwerke zwischen Leben und Tod. Wir wurden der Dunkelheiten in «Fidelio» gewahr, sahen die trügerischen Sterne über der Engelsburg in «Tosca», tauchten ein ins fahle Freiheitslicht in Janáceks «Totenhaus», ins Straflager von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk», in die Alpträume von Dallapiccolas «Il...
