Der Marktflüsterer
Nomen ist hier für einmal nicht omen, denn es ist keineswegs ein Fischen nach Komplimenten, das Adam Fischer – der am 9. September 2019 70 Jahre alt wurde – am Ende des Buchs betreibt, wenn er unter dem Titel «Und das hätte ich gesagt?» feststellt, er habe sich quasi durch diese Biografie selbst mehr zu schätzen gelernt. Nicht ohne Ironie schreibt er, Autor Andreas Oplatka habe ihm Lust gemacht auf sich selbst.
Mit Fischers nie aufgesetzt wirkender Zurückhaltung ist auch zu erklären, dass er relativ lange im «zweiten Glied» verblieb, auch nicht zum Mannequin seiner selbst wurde, als Deutschands Kritiker ihn im Jahrbuch «Oper 2002» zum «Dirigenten des Jahres» wählten. Dass diese Auszeichnung im Zusammenhang mit seinem Bayreuther «Ring»-Dirigat 2001 erfolgte, also quasi einer Tarnkappen-Situation geschuldet war, mag im Zusammenhang mit Fischers Wesensart als besonders signifikant erscheinen. Nie gerierte er sich als Martkschreier, ganz im Gegenteil.
Ich erinnere mich an ein mit ihm geführtes Interview vor nicht ganz einem Jahrzehnt, als sich das System Orbán in Ungarn zu etablieren begann. Fischer wählte die Worte besonders sorgfältig, gab sich Mühe, ruhig und sachlich zu bleiben, ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Gerhard Persché
Der 1724 entstandene «Tamerlano» ist Händels finsterste, kühnste Oper, ihr Ausgangspunkt ein historisches Ereignis: der Kriegszug des Mongolen-Khans Tamerlan, der 1402 den türkischen Sultan Bajazet besiegte und diesen dann in einem Käfig mit sich führte. Der amerikanische Regisseur R. B. Schlather und sein Bühnenbildner Paul Steinberg greifen diesen Ausgangspunkt...
Wie der «kleine Tod» klingt? Nicht als Naturlaut notabene, sondern als musikästhetisches Konstrukt? Richard Strauss bemühte dafür hochfliegende Streicher und Hörner, Tremoli, Holzbläsertriller und Harfenglissandi. Bernhard Lang greift in seinem Erotikkarussell «Der Reigen» nach Arthur Schnitzler auf eine «spermatozoische Spezialstruktur» zurück, «bestehend aus...
Die Frage mag verwegen sein, vielleicht sogar ein bisschen unverfroren. Aber die Zeit ist danach, sie einmal ganz ohne Zungenschlag zu stellen: Gibt es eine weibliche Sicht auf Verdis Musikdrama «La traviata»? Und ist diese Sicht, so sie existiert, womöglich imstande, eine veränderte Rezeptionshaltung zu implantieren? Die Deutungen von Ellen Lamm in Stockholm und...
