Quadruple-Bill
Eine New Yorker Polizeischule mag ein ungewöhnlicher Ort sein, um die Frage «Was ist Kunst?» zu erörtern – eine Frage, die Paul Hindemith einst an seine drei Komponistenkollegen Darius Milhaud, Ernst Toch und Kurt Weill gerichtet hatte. Aber für die Gotham Chamber Opera erwies sich das intime Gerald W. Lynch Theater im John Jay College of Criminal Justice in Manhattan als bestens geeignet, um ihr aufs Neue nachzugehen. Die Kompanie betraute den Regisseur Paul Curran mit einem Reenactment der besonderen Art: Er sollte sich die vier Werke vornehmen, die am 17.
Juni 1927 auf dem Programm des Baden-Badener Festivals für zeitgenössische Musik gestanden hatten: Milhauds «L’Enlèvement d’Europe», Tochs «Prinzessin auf der Erbse», Hindemiths «Hin und zurück» und Weills «Mahagonny Songspiel». Curran wählte als Rahmen die Situation einer Vernissage, eine Galerie mit Gemälden von Georg Baselitz. Die Choristen agierten als entsprechend schick gekleidetes Ausstellungspublikum (Kostüme: Court Watson), während die Szene mithilfe der Drehbühne stetig um neue Exponate (darunter auch die berüchtigte Erbse) erweitert wurde und die Sängerdarsteller zwischen den einzelnen Stücken vom Regisseur ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 78
von David Shengold
Jubilare
Es gibt nicht viele Kulturwissenschaftler, die sich ernsthaft für das Musiktheater interessieren und etwas dazu zu sagen haben. Jens Malte Fischer gehört zu ihnen. Zunächst von 1982 bis 1989 Professor für Literaturwissenschaft in Siegen, lehrte er ab 1989 Theaterwissenschaft an der Universität München. An seinen Studien zu Wagner (insbesondere dessen...
Telramund sucht Elsa vor Lohengrin zu verstecken. Die beißt dem Intriganten dafür nach Kräften in die Hand. Vor dem großen Hochzeits-Event steigt die Truppe ins Dampfbad, werden vom Heerrufer in der Kluft des Stabsarztes Gewicht und Schädelumfang kontrolliert. Zuvor hatte der die darbende Menge aus der Gulaschkanone versorgt. Den Brabantern geht’s mies, und der...
Da liegt einer, mit einem Leichentuch zugedeckt. Regt sich, setzt sich auf: Siegfried! Staubig-soldatisches Aussehen: geschorener Schädel, Stiefel, schlammfarbene Hose, der Oberkörper in Verbände gewickelt, im Rücken Blutspuren von der tödlichen Wunde, die Hagen ihm mit dem Speer zugefügt hat. Wiederauferstanden von den Toten. Und man merkt, dass er viel Zeit...
