Verdi: I vespri siciliani
Widerstreitend sind die Gefühle in Palermo. Ungetrübter Glanz einer hervorragend musizierten Verdi-Aufführung hätte sich entfalten können, steckte das Theater nicht in einer tiefen Krise. In Mailand oder Parma hätten die Opernfans den Protagonisten und Ralf Weikert am Pult Ovationen bereitet – hier bröckelt ein resigniertes Publikum ab und applaudiert müde.
In Ezio Frigerios monumental-traditionellem Bühnenbild aus Elementen der normannischen Gotik Palermos arrangiert Nicolas Joël die Intrigen gegen die Fremdherrschaft ohne Extravaganzen.
Banal die sizilianische Ballettfolklore, überwältigend dagegen der fast achtzigköpfige, gut studierte, in den Staccato-Ensembles gestochen präzise Chor, der kein einziges Mal schleppt und Ralf Weikerts im Allgemeinen rasche Tempi hält – langsamer ist nur der Bolero Elenas im fünften Akt, weil Doina Dimitrius hochdramatischer Sopran zwar großes Volumen und Strahlkraft entfaltet, aber wenig beweglich ist (mit einer Tendenz, Töne von unten her anzusingen).
Im streikgeschüttelten Italien beeinträchtigten nicht nur die fehlenden Proben die Orchesterqualität. Am 30. November, nach dem Ende des Generalstreiks, erschien ein Teil der ...
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