Made in Sweden
Fünf Tage später bekam Plácido Domingo mit viel Mediengetöse den (undotierten) Echo-Klassik für sein Lebenswerk. Schön. Aber was besagt das schon? Der Echo-Klassik ist eine Schulterklopf-Party der Plattenindustrie, im Grunde eine Werbeveranstaltung. Und als solche hat er mit Kunst wenig zu tun. Deshalb ist es viel wichtiger, dass Domingo am 13. Oktober im Goldrund der Königlichen Oper von Stockholm den Birgit-Nilsson-Preis bekam. Die große schwedische Sopranistin hatte keine Kinder und ließ ihr Geld sukzessive in eine nach ihr benannte Stiftung fließen.
Aus den Erträgen des Stiftungsvermögens wird nun (alle zwei oder drei Jahre, das ist noch offen) der Preis in Höhe von einer Million Dollar finanziert (plus Nebenkosten für Gala, PR-Agenturen etc., auch das keine Kleinigkeit). Es geht also – trotz Premium Imperiale, Polar-Musikpreis und Siemens-Musikpreis – um die größte Auszeichnung der Musikwelt. Vor allem: Sie soll einer Sängerin oder einem Sänger gelten, möglicherweise auch einem Dirigenten. Keinem Komponisten also (für die gibt es genug andere Preise), sondern einem nachschaffenden Künstler. So wollte es Birgit Nilsson, und sie hat Plácido Domingo schon in den neunziger Jahren ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das diesjährige Opernfestival von Wexford war, was die künstlerische Qualität betrifft, möglicherweise das schwächste, das ich in den letzten 25 Jahren besucht habe. «The Ghosts of Versailles» von John Corigliano, ein Import mit hohem Anspruch, bot nur wenig von dem, wofür Wexford traditionell bürgt – auch wenn die Marie Antoinette von dem in Europa noch...
Gewisse Worte, sagt uns der Volksmund, seien wie Zahnpasta: einmal draußen, bringt man sie nicht mehr in die Tube zurück. Das musste auch der neue Direktor des Wiener Burgtheaters Matthias Hartmann erfahren, als er seine Antrittspressekonferenz mit dem markigen Ausspruch: «Sie wollen das Beste. Sie verdienen das Beste. Sie kriegen das Beste» befeuern wollte. Prompt...
Für Menschen, die sich in Schülervorstellungen von «Zauberflöte» oder «Carmen» fragten, was das Gesinge auf der Bühne eigentlich soll, und die als Erwachsene die gesellschaftliche Verpflichtung spüren, es mit der Oper doch noch mal zu versuchen – für die ist Ingo Metzmachers Buch «Vorhang auf. Oper entdecken und erleben» wahrscheinlich richtig. Nicht, weil...
