Genf: Wohldosiertes Heldentum

Wagner: Die Walküre (Genf / Grand Théâtre)

Opernwelt - Logo

Ein Selbstläufer sei gerade dieser erste Akt, heißt es. Nicht nur wegen Wagners detaillierten Libretto-Anweisungen, sondern auch, weil die Musik extrem gestisch ist. Unerhört, minutiös aufgedröselt – und dabei so ungemein gefährlich. Das alles kann zum Mickey Mousing verführen. Es sei denn, da hört einer genau hin. Und bringt das Ganze auf die Bühne mit dem Geschmack, der Musikalität, vor allem dem Selbstbewusstsein des Theatermachers, der sich und der nach Neuem gierenden Opernszene nichts mehr beweisen muss.

In Genf ist das gerade passiert.

Denn so lyrisch, so intim, so berührend in seiner Natürlichkeit, so offen und einladend zum eigenen Nach- und Mitdenken hat man den ersten Aufzug und weite Teile der folgenden «Walküre»-Akte selten erlebt. Regisseur Dieter Dorn ist das zu verdanken, der hier sein auf mehrere Monate gestaffeltes «Ring»-Projekt fortsetzt, aber auch Dirigent Ingo Metzmacher. Der macht aus akustischer Not eine Tugend: Das Grand Théâtre klingt wie unterleibslos, die satte Grundierung fehlt. Ein Haus geschaffen für Kammermusikalisches, nicht für Eruptives.

Folglich interessiert sich Metzmacher für die Feinmechanik der Partitur. «Modern», dieses Etikett wurde seiner ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Infos

Meldungen


Bis 2012 war sie Künstlerische Leiterin der Reihe «Kunst aus der Zeit» der Bregenzer Festspiele; ab der Spielzeit 2015/16 wird die Dramaturgin und Kuratorin Laura Berman mit der Operndirektion am Theater Basel betraut. Derzeit bereitet die gebürtige U.S.-Amerikanerin, die u. a. an der New Yorker Juilliard School, der Prince­ton University und in Hamburg...

Chicago: Magisch-matte Traurigkeit

Bei einem Großformat wie «Parsifal» summieren sich künstlerische Entscheidungen zu ansehnlicher Lebenszeit: Was Pierre Boulez 1970 in gut dreieinhalb Stunden verhandelte, dafür ließ sich James Levine 1990 eine geschlagene Stunde mehr Zeit. Von Richard Strauss stammt das Bonmot, der Meister habe «Parsifal» schon sehr langsam komponiert, dazu brauche man nicht durchs...

Willkommen, bienvenue, welcome

Crossover? Da hebt sich in Deutschland noch immer manche Braue – wie man in den diversen Internetforen, die sich mit E und U beschäftigen, feststellen kann. Denn die Kategorien der E-Musik – von Beamten des 19. Jahrhunderts erfunden und Sammelbegriff für wertvolle, doch kommerziell vergleichsweise chancenarme Werke – und jene ihrer sich vermeintlich...