Der Fremde von nebenan
Bühne und Zuschauerraum sind klein, doch das Geschehen wirkt ins Große geweitet. Das war schon so bei der eindrucksvollen Produktion von Luigi Nonos Hörtheater «Prometeo», mit der Benedikt von Peter seine Intendanz am Luzerner Theater eröffnete (OW 11/2016). Damals erstreckte sich eine aus rohen Planken gefertigte Arche von den Tiefen der Bühne über den Orchestergraben und die Stuhlreihen des Parketts bis zur Rückwand des Zuschauerraums.
Verdis «Falstaff» in der jüngsten Inszenierung des Hausherrn geht ähnlich zu Werk, gleicht konzeptionell aber eher jener von Verdis «Traviata», die das Luzerner Theater in der Spielzeit 2016/17 aus Hannover übernommen hatte. Auf der Bühne ganz allein und in voller Pracht: Sir John. Alle anderen Figuren des Dramas bleiben unsichtbar und singen aus dem Off. Eng ist es auf der Bühne gleichwohl: Das Häuschen, das Natascha von Steiger entworfen hat, ist viel zu klein für den Riesen in voller Rüstung, der da über die Küche ins Wohnzimmer eindringt und dabei überall anstößt.
John Falstaff kommt eben direkt aus dem Märchenbuch, aus der Welt der Ritter. Und wie er sich auf dem Sofa zum Schlafen legt, ohne sich auch nur eines Teils seiner üppig ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Peter Hagmann
In einem von der Materialästhetik getränkten Komponistenporträt aus den 1980er-Jahren heißt es lapidar: «Nein, Claude Debussy war kein Impressionist.» Eine Beurteilung, die im Gefolge der Serialisten einseitig den Ästheten der clarté und der mathématiques musicales hervorhob. Im Umkreis von Pierre Boulez wurde Debussy so gesehen, besonders mit...
Wo Musik ist, muss ein Dämon sein», bemerkte der New Yorker Geiger Herman Martonne einmal über Mahler. Er hatte dabei weniger den Komponisten als den Dirigenten im Sinn. Einen Dämon, der, nicht nur in Tempofragen, allein dem eigenen inneren Kompass vertraute. Einem Instinkt freilich, der, historisch informiert, auf die unerhörte Vergegenwärtigung des Vergangenen...
Geht es um Belcanto, «geben sich die Produzenten meist damit zufrieden, um ein paar Vokalstars herum dekorative Arrangements zu schaffen», habe ich aus früherem Anlass einmal moniert. Wie schön, dass ich jetzt von drei prominenten Gegenbeispielen berichten kann, bei denen die Regisseure die szenischen Herausforderungen und Möglichkeiten, die in den Stücken stecken,...
