Kerger: Fintenzauber
Zu den seltsamsten Blüten des MozartJahrs gehört die in Münster uraufgeführte Oper «Fintenzauber» der beiden Luxemburger Nico Helminger und Camille Kerger. Helminger hat sich aus Mozarts Opern neun Figuren, darunter den Transvestiten Papagenoa, zusammengeklaubt und in einen Plot verwickelt, wie er einfältiger nicht erfunden werden kann. Der Medien- und Modezar Lucio Silla, Chef des Modehauses Leporello und des Privatsenders Leporello-TV, konkurriert mit dem Haar- und Modekonzern Alma & Viva, deren Geschäftsführerin Barbarina ist.
Nach allerlei Intrigen und Verwicklungen, an deren Ende sich herausstellt, dass Silla in Wirklichkeit Don Giovanni ist, fusionieren die beiden Konzerne. Zu dieser Story und ihren papierenen Figuren hat Kerger eine schwerfällig sich dahinschleppende Musik geliefert, die sich kaum mit dem Auf und Ab des höchst konventionellen Sprechgesangs verbindet. Immer wieder schwappen aus dem im Orchestergraben brodelnden, konturlos vor sich hin dampfenden Sinfonie-Eintopf Vibrafonsoli, Klavierkaskaden und Harfengezirpe. Wes Geistes Kind der Humor dieses Elaborats ist, zeigt sich, wenn Antonio Monostatos, hier ein Anwalt in Sillas Diensten, droht: «Wo es schwarze ...
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Es ist ein Kreuz mit schlechten Libretti. Sie können ganze Opern, aller musikalischen Qualitäten ungeachtet, in die Vergessenheit stoßen, und können umgekehrt – ihrer mäßigen, um nicht zu sagen schlechten literarischen und stofflichen Verarbeitung zum Trotz – manchen Meisterwerken einfach nichts anhaben. Das Textbuch zu Verdis «Trovatore» ist gewiss der letzteren...
Einen von der musikalischen Substanz her eher matten Spielzeitbeginn bescherte Oldenburgs neuer Intendant Markus Müller seinem Opernpublikum: Zunächst Schostakowitschs bereits erheblich angejahrte «Moskau»-Operette, jetzt, als zweite Premiere, den seichten Polit-Thriller «The Death of Klinghoffer» von John Adams, ein seit seiner Brüsseler Uraufführung vor...
Nicht auf das Märchenhafte des Stoffes ließ sich Konstanze Lauterbach ein in ihrer Bremer «Pelléas»-Inszenierung, beschwor auch kein jugendstilhaft-dekoratives Ambiente, sondern führte in teils ungemein aggressiver, dann aber auch wieder berührend poesievoller Symbolik dem Zuschauer menschliche Extremsituationen vor Augen. Es handele sich – so hat es Pierre Boulez...
