Die Kraft des Leisen
I.
73 Meter unter der Erdoberfläche stehen wir, fröstelnd – und verstehen alles besser. Zu sehen ist nicht viel. Feuchte Felswände. Eine schwere Eisentür, wie zu einem Tresor. Gemauerte Sperren in diffusem Licht. Dahinter liegt die Grenze. Der schmale Tunnel, durch den wir – mit eingezogenem Kopf – hierher gekommen sind, wurde von Nordkorea aus gebaut. Alle paar Meter entdeckt man Simse für Sprengköpfe. Gedacht war der Tunnel als Schleuse, durch die innerhalb weniger Stunden Tausende von Soldaten nach Süden hätten vorstoßen können.
Er verläuft unter der vier Kilometer breiten, demilitarisierten Zone, die beide Teile Koreas trennt und auf der Erde bis heute unpassierbar ist. Wann er gebaut wurde, ist unklar. Entdeckt wurde er 1978, als Teil eines auf die südkoreanische Hauptstadt Seoul zulaufenden Stollensystems. Offiziell handelt es sich nach nordkoreanischer Darstellung um eine Kohlemine. Rein militärhistorisch betrachtet, ist dieser bizarre Ort ein Monument vergangener Zeiten. Kalter Krieg wird heute mit anderen Mitteln geführt. Dennoch ist er hier, tief unter der Erde, geradezu physisch spürbar. Südkorea hat aus dem unter seinem Territorium verlaufenden Abschnitt des Tunnels ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Reportage, Seite 86
von Stephan Mösch
Man hört es und fühlt sich sogleich erinnert. Dieser Seufzer! Unzählige Male wurde er in die Welt entsendet, so häufig und so verzweifelt, dass man irgendwann gar nicht anders konnte, als still und leise mitzuseufzen. Auf welchen Wegen aber gelangte dieses Sekundmotiv in ein Stück, das nicht «Pique Dame» heißt und aus der Feder Peter Iljitsch Tschaikowskys stammt?...
Vom Teatro alla Scala gibt es die schönen, noch auf die Zeiten Toscaninis zurückgehenden Plakate mit den dekorativen Lorbeerzweigen und dem roten Kreuz des Mailänder Stadtwappens in der Mitte. Mit dem emblematischen Logo waren bis vor Kurzem auch die Eintrittskarten geschmückt. Sie wurden von Hand eingetütet, per Post verschickt und galten bei den Besuchern als...
Zoff bei Oberons. Der Elfenkönig liegt im Streit mit seinem Ehegespons Titania, es geht um die menschliche Treue. Diese rechtfertigen müssen daher der Ritter Hüon von Bordeaux und Rezia, die Tochter des Kalifen zu Bagdad, allerlei Wundersames und auch schwer Erträgliches durchstehen, ehe sie einander in die Arme fallen dürfen. So weit die Handlung von Webers...
