Wie’s im Buche steht
«Es gibt Schriftsteller, die schon in zwanzig Seiten ausdrücken können, wozu ich manchmal sogar zwei Zeilen brauche», ätzte Karl Kraus. Jeder Schreibende mag sich bei dieser Attacke zunächst an die eigene Nase fassen. Doch nirgendwo passt sie treffender als auf die Autobiografien prominenter Mitbürger, wo Geschwätzigkeit oft als klug-charmante Plauderei verkauft wird. Wiens Staatsoperndirektoren haben dafür aktuelle Beispiele vorgelegt. Das Buch Dominique Meyers basiert auf Gesprächsaufzeichnungen durch die Journalistin Michaela Schlögl.
Es trägt keinen drohend programmatischen Titel wie das seines Vorgängers Ioan Holender (der verkündete: «Ich bin noch nicht fertig», siehe OW Jahrbuch 2011). Es nennt einfach Fakten: «Dominique Meyer – Szenenwechsel Wiener Staatsoper».
Zwischen den Buchdeckeln geizt der Direktor nicht mit subjektiven Meinungen. Beispielsweise auf den Seiten 216 f., wo er zugibt, «mit dem sogenannten ‹deutschen Regiethater› manchmal meine Schwierigkeiten» zu haben. Arg verkürzt identifiziert er dieses mit Regisseuren, die «bestenfalls mit einer oberflächlichen Vorstellung des Stückes» an ihre Arbeit herangingen. «Sie treten arrogant auf, weil sie vielleicht drei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2011
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Gerhard Persché
«…um Ihren Namen dreht sich die ganze Geschichte der Musik seit 10 Jahren, und bey jedem Musiker, den man jetzt zu besprechen hat, wird man unwillkürlich auf die Frage gerathen in welchem Verhältniß er zu der Meyerbeerschen Musik gestellt ist oder sich gestellt hat.» Heinrich Heines briefliche Bemerkung von 1842 gegenüber Giacomo Meyerbeer ist keine Schmeichelei,...
Herr Behle, mit Ihrer Aufnahme der «Schönen Müllerin» stellen Sie sich dem Vergleich mit den größten Liedinterpreten von Fritz Wunderlich bis Peter Schreier. So etwas macht man doch nur, wenn man glaubt, etwas ganz Eigenes zu diesem Zyklus zu sagen zu haben.
Dass es von mir bereits zwei Liedeinspielungen gibt, hat natürlich erstmal ganz praktische Gründe: Ein...
Die Opera North ist inzwischen die einzige britische Kompanie außerhalb Londons, die es richtig macht: Sie hat zwar kein eigenes Ensemble, besetzt die Rollen jedoch aus einem Pool von Künstlern, die dem Publikum bekannt sind. Außerdem hat sie ein breit gefächertes Repertoire inklusive neuer Werke auf dem Spielplan und verpflichtet größtenteils anerkannte...
