Wolken und Wogen
Im Jahr 1960 wandte sich die Filmfirma der DDR, die Deutsche Filmaktiengesellschaft (kurz: Defa), an den damaligen Operndirektor in Leipzig, Joachim Herz, um den ersten Film der Kinogeschichte nach einer Oper von Richard Wagner zu machen. Herz entschied sich für den «Fliegenden Holländer» und für ein aufwändiges, vier Jahre währendes Produktionsverfahren: Zuerst wurde der Instrumentalpart vom Gewandhausorchester Leipzig unter Rolf Reuter eingespielt, danach hat man die Gesangsstimmen – etwa Gerda Hannemann als Senta und Rainer Lüdecke als Holländer – aufgenommen.
Für den Film choreografierte Ruth Berghaus den Opernchor Leipzig; die Solisten jedoch wurden von Schauspielern – darunter Anna Prucnal und Fred Düren – dargestellt, die meistens darauf verzichteten, den Gesang durch Lippenbewegungen zu simulieren. So entstand aus der Gleichzeitigkeit von Ton und stillen Gesichtern der Eindruck innerer Monologe, wie man sie aus den sowjetischen Shakespeare-Verfilmungen von Grigorij Kosinzew kennt.
Herz siedelte, durchweg filmisch denkend, aber ganz der Musik vertrauend, das Geschehen in Norwegen um 1840 an. Senta und der Holländer sind Außenseiter in der Seelenenge des Spätbiedermeiers. ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Jan Brachmann
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