Zwang zur Freiheit
Der Blaubart-Stoff fasziniert seit der Erzählung Charles Perraults von 1697; in Oper, Film und Literatur hat er vielerlei Gestalten angenommen. Nicht immer ist das Schicksal der zahlenmäßig variierenden Frauen so aussichtslos wie das Judiths in «Herzog Blaubarts Burg» von Béla Bartók. Beherzte Mädchen, die sich retten konnten, gab es bisher mehrfach; die lustvolle Selbstbestimmung der Frau erreicht wohl ihren Höhepunkt in Offenbachs «Blaubart» von 1866.
Gut 30 Jahre später verquickte Maurice Maeterlinck den Stoff mit dem Ariadne-Mythos zur Geschichte eines missglückten Befreiungsversuchs. Paul Dukas verstärkte in seiner Oper «Ariane et Barbe-Bleu» noch den emanzipatorischen Aspekt des vor allem als Librettist für Debussys «Pelléas et Mélisande» erfolgreichen Belgiers. Demnach ist für Ariane «Ungehorsam die erste Pflicht.» Als sechste Blaubart-Frau hat sie vom Los ihrer Vorgängerinnen gehört und will sie retten.
Andrea Schwalbach zeigt das in ihrer Inszenierung am Stadttheater Bielefeld als grandioses Scheitern, nach dem die Heldin ihren Weg allein fortsetzt. Ihr Spiel mit Klischees wirft Fragen auf: Muss, 112 Jahre nach Entstehung der Oper, die Emanzipation der Frau als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Isabel Herzfeld
Zu mehr als 150 Filmen hat er die Musik geschrieben. Berühmt geworden ist er mit seinen Arbeiten für Fellini, Visconti, Zeffirelli, Clément und zuletzt Coppola («Der Pate» I und II). Doch Nino Rota (1911-1979), der als Wunderkind begann, der seine klassische Ausbildung bei Ildebrando Pizzetti und Alfredo Casella erhielt, hat auch etliche Symphonien, Konzerte und...
Im dialektischen Sinn verhält sich das experimentelle Musiktheater «Lullaby Experience» passgenau zum diesjährigen Motto des Festivals «Frankfurter Positionen». Denn in Pascal Dusapins Musiktheater geht es gar nicht um «Grenzen der Verständigung», sprich: um Kommunikation oder deren Scheitern. Sondern um das Aufrufen und Verdichten frühester musikalischer und...
Ein Lächeln, hinter dem sich eine unversehrte Vergangenheit verbirgt: Wir können uns nicht erinnern, wo wir diesen sinngemäß rekapitulierten Satz gelesen haben. Stammt er aus Pascal Merciers «Klavierstimmer»? Auf jeden Fall blieb er in sicherer Erinnerung und fällt uns beim Anhören von Jodie Devos’ Recital «Offenbach colorature» ein. Die junge Belgierin mit der so...
