In der Wasserhölle

München/Bayerische Staatsoper, Berg: Wozzeck

Opernwelt - Logo

Während der ganzen Aufführung steht die Bühne zentimetertief unter Wasser, dem Element von Leben und Tod. Kent Nagano hat seine Frackhose fast bis zum Knie hochgekrempelt, um den Applaus mit den Darstellern entgegenzunehmen. Er scheint sich über den Beifall fürs Regieteam, für die Sänger, allen voran Michael Volle als stimmgewaltiger Wozzeck, zu freuen. Das Bayerische Staatsorchester lieferte unter seinem Chef eine hoch konzentrierte, werkgerecht durchgearbeitete und betörend klangschöne Umsetzung von Alban Bergs komplexer Partitur.


Andreas Kriegenburg und sein Bühnenbildner Harald B. Thor ließen sich für die furios stilisierte Aufführung zwei Bilder einfallen, die je nach Schauplatz – innen oder außen – scharf voneinander gesetzt und doch miteinander verzahnt sind. Ein in beigen Erdfarben gehaltener Kubus, frei im Bühnenraum hängend, schwankt sanft hin und her, und von Anfang an hockt darin Wozzecks und Maries Kind (Aurelius Braun), im fast pubertierenden Alter. Fährt der Kasten in die Bühnentiefe zurück, macht er einer riesigen Wasserfläche Platz. Hier lungern und stapfen dekorativ ein paar Lemurenmänner in schwarzen Anzügen (Hartz-IV-Opfer?), denen man Essensreste hinwirft, um ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Wolfgang Schreiber

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der betörende Glanz der Dummheit

Es gibt ein berühmtes Foto von Igor Strawinsky: der Meister mit auf die Stirn geschobener Brille, die Welt mit großen Augen betrachtend. Genau so verwundert wäre er wahrscheinlich angesichts der Verbotszettel gewesen, die bei den Vorstellungen seines «Rake» im November an den Türen des Theaters an der Wien klebten. Denn dass eine seiner Opern ins Visier des Wiener...

Der andere Pfitzner

Hans Pfitzner ist durch Ingo Metzmachers Aufführung der Eichendorff-Kantate «Von deutscher Seele» (1921) mit ihrem völkisch dröhnenden Schluss «Fass das Steuer, lass das Zagen» am Nationalfeiertag wieder als unverbesserlicher Antisemit, Nazi-Sympathisant und Reaktionär ins Gerede gekommen. Die harfenumrauschte Elfen-Oper «Die Rose vom Liebesgarten» (1901) nötigt...

Kinderweihnachtsmärchen

Der chinesisch-amerikanische Komponist Tan Dun ist ein seltsamer Fall. Seine Vorbilder, sagte er einmal, seien Toru Takemitsu und John Cage, Hans Werner Henze und Dmitri Schostakowitsch. Gegensätzlicher könnten geistige Väter kaum sein. Der Personalstil des postmodernen «Mischlings» ist also vor allem daran zu erkennen, dass er keinen hat. Tans Werke sind offen für...