Und nun?

Wagner: Parsifal Freiburg / Theater

Opernwelt - Logo

Amfortas hat sich fast entblößt. Sein blutverschmiertes Unterzeug lässt keinen Zweifel: Klingsors Speerstoß traf die Genitalzone. Nach der Gralsenthüllung, zu der Amfortas mühsam geschleppt wird, kriecht der blütenweiße Parsifal auf allen Vieren auf ihn zu. Mag er auch nicht begreifen, was er sah – neugierig geworden ist er. Einen ersten Schritt auf die Erlösung des malträtierten Königs hin hat er getan. Den Weg zum Heilsbringer, diesen Entwicklungsroman beschreibt die neue Freiburger Wagner-Erkundung des Regisseurs Frank Hilbrich.

Die Stationen dieser Bewusstwerdung sind genau erfasst, der Schock zumal, den Kundrys erotischer Übergriff in ihm auslöst. Auch wenn er, zum weltenwandernden Schwarzen Ritter geworden, zur Fußwaschung tolpatschig die Stiefel anbehält: Seinen Wandlungsprozess, den ihm zugewachsenen Lebensernst – all das verdeutlicht die Regie. Eine Regie im Übrigen, die nie zur Bevormundung des Zuschauers wird, sondern eine, die Auslegungsvorschläge zu unterbreiten, die immerzu zu sagen scheint: So könnte es gewesen sein. Auch wenn die Kostümbildnerin Gabriele Rupprecht den jungen Mann dem Faschistennachwuchs zuordnet. Führergesten übt er jedenfalls schon mal.

Eine dichte, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Heinz W. Koch

Weitere Beiträge
Verlorene Liebesmüh

Saverio Mercadantes Buffa «Don Chisciotte alle nozze di Gamaccio» entstand während seines mehrjährigen Wirkens auf der iberischen Halbinsel. Die Uraufführung fand 1830 im spanischen Cádiz statt. 2007 wurde der Einakter beim Rossini-Festival in Wildbad ausgegraben, vom SWR aufgezeichnet und jetzt auf CD veröffentlicht. Das dramaturgisch bescheidene Stück, das eine...

Mitleid muss man haben

Der Mensch ist zum Unglücklichsein verdammt in seinem Streben nach Glück. Er sucht nach Wahrheit und findet: nichts. Er sehnt sich nach ­Erfüllung und landet im: Nichts. Finster ist die Handlung von Ingvar Lidholms Oper «Ein Traumspiel», noch finsterer als seine literarische Vorlage, August Strindbergs gleichnamiges Drama.

Doch er hat eine Botschaft, dieser...

Heimgeholt

Er war eine Instanz. Die Instanz. An ihm kam kein Impresario, kein Komponist vorbei, der im 18. Jahrhundert auf Ruhm und Reichtum spekulierte. Poeta Cesareo der Habsburger, Staatsdichter Karls VI. und Maria Theresias. Wenn das höfische Musiktheater einen «Weltstar» hinter den Kulissen hatte, so war es der Römer Antonio Trapassi. Unter dem Namen Pietro Metastasio...