Walhall des 21. Jahrhunderts
Riesenvogel, Raubfisch, Raumschiff. Santiago Calatravas futuristischer Opernbau in Valencia weckt viele Assoziationen. Die schwebende, spektakulär aufgebrochene Kubatur, die kühn geschwungenen, scheinbar alle Gesetze der Statik außer Kraft setzenden Formen des «Palau de Les Arts Reina Sofia» dokumentieren nicht nur die Möglichkeiten einer Architektur, die sich technisch, konstruktiv, ästhetisch auf der Höhe unserer Zeit bewegt. Das aus Beton, Stahl und Glas in ein trockengelegtes Flussbett implantierte Haus ist ebenso zeichenhafte Skulptur, ein Symbol und Memento des 21.
Jahrhunderts. Hoffnung und Hybris, Aufbruch und Absturz, Wagnis und Wolkenkuckucksheim – die Paradoxien der Gegenwart scheinen eingeschrieben in seine weißstrahlende Oberfläche. Suchten Wagners Götter heute nach einem Baumeister für Walhall, sie träfen mit Calatrava nicht die schlechteste Wahl.
Ein Opernwalhall der Zukunft hat auch Palau-Intendantin Helga Schmidt im Sinn, wenn sie über das künstlerische Profil des neuen Gebäudes spricht. Modernste Licht-, Projektions- und Computertechnologie möchte sie auf der Bühne sehen, die Gestalt des Baukörpers in der Gestaltung der Produktionen reflektiert wissen. Inhalt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es sollte ein neues Kapitel aufgeschlagen, Geschichte geschrieben werden. Mit zwei Ikonen des russischen Opernkanons. Von Grund auf überholt, in den Farben unserer Zeit würden sie erstrahlen, hatte man gehofft. Doch es kam anders.
«Boris Godunow» lief im Bolschoi Theater in einer Inszenierung aus dem Jahr 1948 – bis jetzt. Letztes Jahr wurde die Aufführung behutsam...
Kann sich ein Regisseur das entgehen lassen? Da spielt in der Oper um die dreihundertjährige Lebensgeschichte der Sängerin Emilia Marty das Kürzel E. M. eine wichtige, wenn auch zunächst rätselhafte Rolle, bis sich herausstellt, dass sich hinter den Buchstaben zwar stets dieselbe Person verbirgt, wenn auch mit mehreren verschleiernden Identitäten, die ebenfalls...
Schwein oder nicht Schwein? Vor den Toren des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin ist die hamletisch angewehte Frage rasch geklärt. Ein Schweinehund sei dieser Don Giovanni, den man sogleich erleben werde, befinden zwei Damen nach Durchsicht des (im Übrigen lesenswerten) Programmbuchs. Betritt wenig später Mikael Babajanyan in azurblauem Samtgewand...
