Himmel und Hölle
Das Werk ist monströs, fast 2000 Seiten lang. Brecht rühmte es als «Triumph des neuen Typs eingreifender Dichtung» – zu Recht: Mit seinem vierbändigen Revolutionsroman «November 1918» schuf Alfred Döblin ein Totalgemälde der deutschen Gesellschaft, darin sich der Konflikt zwischen radikal-aufrührerischem Marxismus und mystischem Christentum ebenso abbildet wie das persönliche Drama seines Schöpfers. 1941, kurz vor der Vollendung, konvertierte der exilierte Jude Döblin zum Katholizismus und wandelte fortan als Gottsucher durchs Leben.
Er ähnelt darin seiner Hauptfigur, dem Altphilologen Friedrich Becker, der schwerstlädiert aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrt und sich in den Wirren der Revolution nicht mehr zurechtfindet. Und genau so, als zerzauste Existenz, als faustischen Menschen, in dem sich subjektive Verwahrlosung und objektive Realitätsver(w)irrung spiegelt, schleicht Max Landgrebe über Jan Steigerts Bühne. Ein Schiffstorso, der sich, je nach Situation, in eine Wohnstube, einen Versammlungssaal oder in ein mystagogisch-mephistophelisches Theater im Theater verwandelt. Die Passerelle davor ist Ort für Verkündigungen; beständig zieht es die Protagonisten dorthin, um Gefühle, ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Jürgen Otten
Der Begriff «originale» ist im Italienischen vieldeutig, bezeichnet nicht nur das Ursprüngliche und Authentische, sondern auch das Absonderliche. In Giovanni Simone Mayrs Farce «Che originali!», 1798 in Venedig uraufgeführt, gibt es gleich mehrere Kostproben. Das Libretto stammt von dem damals erst 21-jährigen Gaetano Rossi, der in reifen Jahren Textvorlagen für...
Medea. Allein der Name provoziert, irritiert, spaltet den, der ihn in den Mund nimmt. Ruft Entzücken wie Entsetzen hervor, lässt das Herz beben, die Seele erzittern. Medea. Ein Hall von Assoziationen begleitet sie auf ihrem Weg, folgt der Eumeniden Erfüllerin, auf ihrer Spur: der Spur des Todes. Denken wir an Medea, schiebt sich unweigerlich eine Frage ins Feld...
Mit Wagner könne man ihn jagen, verkündete noch vor Jahren der Regisseur Dietrich W. Hilsdorf. Als ihm aber, etliche Verdi- und Operetten-Inszenierungen später, vom Rheinoper-Intendanten Christoph Meyer der «Ring» angeboten wurde, hatte die Jagd ein Ende. Hilsdorf grub sich tief in die Wagner-Materie ein. Nach der Premiere der «Götterdämmerung» am Düsseldorfer...
