Lob der Ironie

Strauss: Capriccio Lyon / Opéra Nouvel

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Strauss’ «Capriccio»: verkanntes Alterswerk oder dramaturgisches Monstrum? Die Antwort hängt von der Tagesform ab. Zweieinhalb Stunden lang wärmen eine Gräfin und ein Graf, ein Theater­direktor, ein Musiker, ein Dichter und eine Schauspielerin die alte Polemik auf: «prima la musica» oder «prima le parole»? Sie wollen Musik und Text fruchtbar zu einer Oper verweben. Zu einer Oper über sich selbst, über ebendiese Debatte. Zu guter Letzt muss noch geklärt werden, ob sich die Dame des Hauses nun für den Musiker oder den Sänger entscheidet.

Antwort: für keinen, denn es geht ja um Synthese. Das Ganze lässt sich als Gegenstand intellektueller Rätselspiele gut ertragen, und über die Qualität der Musik müssen wir nicht streiten. Bühnenwirksamkeit stellt sich allerdings nicht von selbst her.
Diese Aufgabe hat Intendant Serge Dorny ­einem Regisseur übertragen, der sich mit Musiktheater-Projekten «nach» Komponisten (wie «Lulu» nach Wedekind und Berg) einen Namen gemacht hat: David Marton. Beinahe ist es schade, dass er in seiner ersten «vollgültigen» Opernregie so nah am Werk bleibt. Die Inszenierung geht subtil analytisch vor (ebenso analytisch: Christian Friedländers Bühne, ein Querschnitt ...

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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Wiebke Roloff

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