Vexierbilder
Im Uraufführungsjahr von «Pelléas et Mélisande», 1902, schien die Welt alles Geheimnisvolle zu verlieren. Der Film fixierte Bewegungen, Röntgenstrahlen durchleuchteten den Körper, die Psychoanalyse das Unbewusste. Doch es gab auch den anderen Blick. Maurice Maeterlinck, Debussys Librettist, setzte dem Glauben an die Wissenschaft und dem naturalistischen Abbild eine symbolistische Theatersprache entgegen. Vordergründig eine alte Dreiecksgeschichte nacherzählend, schreibt er den Geschehnissen eine nicht zu entschlüsselnde, geheime Notwendigkeit zu.
Sich auf diese fein gesponnene Fantasiewelt einzulassen, fällt schwer, wenn sich rund um die Semperoper die Gemüter an Pegida-Parolen erhitzen. Die Sprache symbolistischer Verrätselung, das zeigen nicht nur aktuelle Musikclips, ist keineswegs passé. Es war daher eine gute Idee, Àlex Ollé vom Theaterkollektiv La Fura dels Baus die Inszenierung von «Pelléas et Mélisande» anzuvertrauen – schließlich ist die Gruppe immer wieder durch aufregende Verbindungen zwischen musikalischen, körperlichen und technizistischen Theaterelementen hervorgetreten. Eine Materialschlacht spart sich Ollé, geizt aber nicht mit wirksamen Effekten. Die Bühnenmitte ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Carsten Niemann
Wenn Opernkenner sich in den Pausen langer Wagner-Aufführungen unterhielten, kamen sie bisweilen auf Ernest Reyer zu sprechen. Der habe es nämlich gewagt, die Nibelungen-Sage ebenfalls zu vertonen. 1884, acht Jahre nach Wagners «Ring», sei das Werk in Brüssel uraufgeführt worden und in Frankreich bis zum Zweiten Weltkrieg recht erfolgreich gewesen, danach aber nur...
In amerikanischen Opernhäusern geht es richtig streng zu. Man darf keine Kraftausdrücke benutzen, duldet kein sogenanntes «unangebrachtes Verhalten am Arbeitsplatz», sogar ob man Parfüm trägt, kann man nicht selbst entscheiden. Fluchen, Knutschen, Sprühen? Pustekuchen. Die ersten beiden Punkte regeln sich ganz von selbst, dafür sorgt schon die allgemeine Prüderie....
Liebhabern und Kennern der Barockoper ist der Name Agostino Steffani schon seit Langem vertraut, einer breiteren Öffentlichkeit dürfte der Komponist aber erst durch Cecilia Bartolis Projekt «Mission» im Jahr 2012 bekannt geworden sein (siehe OW 11/2012). Die gleichnamige CD bietet unter anderem drei Ausschnitte aus dem Dramma per musica «Niobe, regina di Tebe»,...
