Im Heute verloren
Tschaikowskys «Eugen Onegin» verlangt eine genaue Kenntnis der sozialen, psychologischen, gesellschaftlichen und politischen Lebensbedingungen der Menschen um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Russland. Verloren in den Weiten eines unendlichen Landes, Rückständigkeit bei der anderswo rasch sich entwickelnden Industrialisierung, Sehnsucht nach einer fernen Welt voller Licht und Fortschritt, sprich: Paris – das alles bedrängte und bedrückte die Menschen im Zarenreich, trieb sie in Melancholie und Verzweiflung.
In der abgeschotteten Einsamkeit flüchtete man sich in romantische Gefühle, in Romanliteratur und aufwühlende Musik. Solche Dispositionen wirken in den Figuren mit, die Puschkin in seinem «Eugen Onegin» porträtierte. Und sie spielen auch in Tschaikowskys Opernfassung dieses Romans die geheime Hauptrolle. Mit anderen Worten: Das Personal der Oper muss aus seinem Umfeld erklärt und psychologisch begründet werden. Eine nicht einfache Aufgabe, die zuletzt Peter Stein in seiner Lyoner Inszenierung plausibel gelöst hat.
Regula Gerber hat in ihrer Mannheimer Regie, die sehr gut gearbeitet und atmosphärisch dicht gelungen ist, die seelischen Befindlichkeiten der dramatis personae ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Gerhard Rohde
Im Februar stand der Spielplan des Stuttgarter Opernhauses ganz im Zeichen des Balletts, das seinen 50. Geburtstag feierte. Wer dennoch Lust auf Musiktheater hatte, konnte seine Neugier, abseits der üblichen Pfade, gleich zweimal befriedigen – mit Mozarts «La finta giardiniera» in einer szenischen Produktion der Musikhochschule im kleinen Cannstatter...
Der Wald steht schwarz und schweiget keineswegs. Kleine Lichtschneisen durchzittern sein dichtes Laub, geben uns ein Gefühl für seine prächtigen Baumkronen. Aus dem Geäst kommen Fanfaren und Stimmen. Menschen? Naturwesen eher, bemoost am ganzen Körper oder mit Blättern überzogen. Oder doch Soldaten mit Grasbüscheln auf den Helmen? Schwer zu sehen, schwer zu sagen....
Normalerweise stehen Nachrufe im Magazin-Teil der «Opernwelt». Wenn sie auf Seite 1 auftauchen, hat das Gründe. So wie jetzt, wo wir an Claus Helmut Drese und Wolfram Schwinger erinnern: zwei Opernchefs von Format, die wenige Tage hintereinander im Februar 2011 gestorben sind; zwei Integrationsfiguren, die ihren Häusern neues Profil gaben, ohne sich dabei in den...
