Banalität des Bösen
Vielleicht ist der Zusammenhang zufällig. Aber der Auftrieb der nationalistischen Kräfte in Deutschland und ihre Versuche, die Geschichte des Rassismus nach ihrer Ideologie zu «korrigieren, scheint die Theater zu deutlichen Stellungnahmen zu animieren.
Dazu gehört die Konjunktur von Viktor Ullmanns Kammeroper «Der Kaiser von Atlantis», die im Konzentrationslager Theresienstadt komponiert und von einem hochkarätig besetzten Ensemble – darunter der Dirigent Raphael Schächter und der Bariton Karel Berman – im Sommer 1944 bis zur Generalprobe einstudiert wurde; danach wurden die meisten Mitwirkenden ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. In Wien, Dresden und Köln stand das Werk auf dem Spielplan, demnächst folgen Kaiserslautern und Basel. Und auch an der Werkstattbühne der Bonner Oper wurde das Stück gegeben, in Zusammenarbeit mit dem Beethovenfest, das unterm Generalthema «Schicksal» nicht nur des Meisters Fünfte, sondern auch manche durch Krieg und Verfolgung traumatisierte Musik des 20. Jahrhunderts vorgestellt hat.
Dabei ist die Inszenierung von Ullmanns Meisterwerk, das parabelhaft, aber unverkennbar spiegelbildlich auf den Terror der Nazis und die Grauen ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Michael Struck-Schloen
Es ist kaum zu glauben, aber unverrückbare Tatsache: Vor 82 Jahren stand Meyerbeers Meisterwerk «Les Huguenots» zum letzten Mal auf dem Spielplan der Pariser Oper. Dabei zählte das Werk, Inbegriff der Grand opéra, mit 1118 Vorstellungen seit der Uraufführung (1836) zu den meistgespielten Opern nach Gounods «Faust». Nach 1936 gab es nur sehr spärliche Versuche, den...
Der Kollege gab sich ziemlich ernüchtert. Die alte Fassung besitze doch eine «eigenartige, wilde Schönheit», urteilte Hans Werner Henze. An der neuen beklagte er die «Rückkehr zur Tonalität», weshalb der Urversion von Paul Hindemiths «Marienleben» aus dem Jahre 1923 unbedingt der Vorzug zu geben sei. Auch als Signal: Die junge Tonschöpfer-Generation habe...
Glücklich das Haus, das ein solches Stück mit eigenen Kräften besetzen kann; unglücklich jedoch, wenn es ein Regieteam engagiert, das diesen Kräften durchweg misstraut. Pantomimische und tänzerische Duplikate sind mittlerweile fast schon zur Regel geworden, auch haben wir uns längst an Simultanhandlungen auf der Leinwand gewöhnt, die entweder das Bühnengeschehen...
