Balance und Extreme
Die Vorbereitung beginnt im Booklet. Bevor man Jacobs’ «Don Giovanni»-Einspielung hört, sollte man sein fiktives Gespräch mit sich selbst lesen. Dort rechnet er mit den romantischen Mythisierungen ab, denen diese Oper seit E. T. A. Hoffmann ausgesetzt war, er setzt sich mit Tempofragen auseinander und hilft, die Figuren zu charakterisieren. Außerdem erklärt er, warum er sich für die Wiener Fassung entschieden und die Abweichungen der Prager Version in den Appendix gerückt hat.
Wie schon so oft bei Jacobs’ Mozart-Erkundungen werden auch hier bisherige Hörgewohnheiten hinterfragt. Das Freiburger Barockorchester ist für Jacobs’ Ideen der ideale Klang-Übersetzer. Jacobs’ dynamische Gestaltungslust zeigt sich beispielhaft in Masettos Arie «Ho capito»: Wenn die Geigen nach einem Forte-Schluss und anschließender Pause piano spielen, baut Jacobs an dieser Stelle ein zwischengepeitschtes Crescendo und Decrescendo ein. Die Höflichkeitsbekundung Masettos bekommt dadurch einen dramatischen, emotionsverdichtenden Unterton. Dann, wenige Takte später, vor dem «faccia il nostro cavaliere», nimmt der Dirigent plötzlich das Tempo zurück, halbiert es fast, um es darauf sukzessive wieder zu ...
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