Ring Award 2020 – das Halbfinale
So viel Andrang gab es nie: 126 Teams mit 326 Teilnehmenden hatten auf die Ausschreibung des neunten Musiktheaterwettbewerbs «Ring Award» reagiert und Ideen für eine Neuproduktion von Mozarts «Don Giovanni» eingereicht. Eine 17-köpfige Experten-Jury aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Schweden, Norwegen, Österreich, der Schweiz und Tschechien ermittelte im Herbst 2019 neun Bewerbungen für das Halbfinale an der Oper Graz. Die Herausforderung: eine prägnante Präsentation der avisierten Inszenierung und praktische Probe der Friedhofsszene.
Wie umgehen mit der sprechenden Statue des Komturs? Was tun mit der abstoßend faszinierenden Aura des Titelhelden? Wie verfahren mit den Nöten und Ängsten Leporellos? Und überhaupt: Was ist eigentlich Thema des 1787 uraufgeführten Dramma giocoso? Warum fasziniert es uns bis heute?
In einem surrealen Erinnerungsraum wollen Pia Preuß (Kostüme), Christin Schumann (Bühne), Elise Schobeß (Dramaturgie) und Alicia Geuglin (Regie) die Geschichte erzählen (auf dem Foto v. l.); Johanna Danhauser (Dramaturgie), Anika Rutkofsky (Regie) und Eleni Konstantatou (Ausstattung) planen eine feministische Kritik an männlichen Rezeptionsmustern des Don Juan-Mythos ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Albrecht Thiemann
Zum Ausklang der Saison 2018/19 stand an der Opera di Roma Mozarts «Idomeneo» auf dem Spielplan – zum ersten Mal seit 1983. Beworben wurde die Koproduktion mit Madrid, Kopenhagen und Toronto als provokative Deutung im Sinne tagesaktueller Krisen. Robert Carsens Neuinszenierung löst das durchaus ein – wobei die freundliche Aufnahme durch das römische Publikum...
Mancher Melomane hielt ihm als Schwäche vor, was eigentlich seine Stärke ausmachte: den geradlinigen, natürlichen Klang der Stimme. Peter Schreier war kein Sänger des effekthaltig gestalteten, «gemachten» Ausdrucks. Arabeskem begegnete man bei ihm so wenig wie einem auf Wirkung zielenden Kunstwillen. Zeit seiner sechs Jahrzehnte überspannenden Laufbahn blieb er...
Wie Peter Konwitschny vor Jahresfrist in Heidelberg (siehe OW 1/2019) glaubt auch Lorenzo Fioroni nicht mehr an das humanistisch überhöhte lieto fine, das glückliche Ende des «Idomeneo». Auch er negiert die aufklärerisch-dialektischen Energien des utopischem Gesellschaftsentwurfs in Mozarts pessimistischem Lehrstück über eine zu Ende gehende Zivilisation, knüpft...
