Sparten, geht zusammen!
Krisenzeiten haben ihre eigene Dynamik. Wenn der Blick in die Zukunft sich trübt, die Gegenwart undurchschaubar wirkt, nur die Verklärung einer «heilen» Vergangenheit Halt zu bieten scheint, drohen konkrete Sorgen und diffuse Ängste das Prinzip Hoffnung und die Lust auf Morgenrot im grauen Nebel eines alle kreativen Ideen lähmenden Notstandsbewusstseins zu ersticken. Aber manchmal setzt, wer vermeintlich chancenlos ist, ungeahnte Produktivkräfte frei.
Sogar traditionell eher schwergängige Institutionen, in denen nicht selten die – über Generationen eingeschliffene – Macht der Gewohnheit den Alltag beherrscht. Stadttheater zum Beispiel. Insbesondere solche, die, von ihren dauerklammen Trägern kurz und kürzer gehalten, schon so gut wie abgeschrieben waren. Häuser wie das Volkstheater Rostock oder das Theater Hagen.
Es waren vor allem Schreckensmeldungen, die während der letzten Jahre von der Ostsee und aus Westfalen drangen: schrumpfende Budgets, Publikumsschwund, Personalabbau, veraltete Technik, mutlos agierende Kommunalpolitik. Denkbar schlechte Voraussetzungen, um sich auf das Wesentliche, das Spiel auf der Bühne, zu konzentrieren. Als Joachim Kümmritz 2016 aus Schwerin nach ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Albrecht Thiemann
Er sei kein Komponist, der tagespolitische Musik erfinde. Das sagte Georg Katzer des Öfteren und ergänzte, dass ihm direkte politische Wirkungen eher fern lägen. Gleichwohl kündet aus dem Gros der weit über 100 Werke des 1935 in Schlesien Geborenen eine klare Botschaft: Wach sein, ästhetisch wie politisch. Allerdings müssen die Werke auch wirklich gehört, mithin...
Der See, über dem die Amme zu Beginn der «Frau ohne Schatten» ein geisterhaftes Licht wahrnimmt, lässt in Vincent Huguets Wiener Neuinszenierung an jenes bleiche unterirdische Gewässer denken, an dem – glaubt man Gaston Leroux – ein gespenstischer Maskenmann hauste und seinem dämonischen Orgelspiel frönte. Dieser «See» existiert tatsächlich, ein Grundwasserbecken...
Zunächst schien das Premierenpublikum des Teatro Real ratlos angesichts dieses artifiziellen Konversationsstücks aus dem Kriegsjahr 1942, in dem es nicht etwa um Leben und Tod, sondern um den altbekannten, in elegant-wortreiches Liebesgeflüster gehüllten Streit geht, ob in den Künsten nun der Poesie oder der Musik Vorrang einzuräumen sei. Argwohn stand schon beim...
