Geisterspiel
Jedes der Stücke beginnt mit dem gleichen musikalischen Motiv hinter der Bühne, gefolgt vom ritualisierten Einzug der Musiker, gemeinsam mit dem Chor. Keine Frage: Nach hiesiger Terminologie muss man das Nō, die inzwischen 650 Jahre alte Form des japanischen Theaters, eindeutig dem Musiktheater zuschlagen, auch wenn man dabei eher an die antike Tragödie als an die neuzeitliche Oper denken sollte. Die Darsteller singen ihre Partien und tanzen sie auch in meistens langsamen, extrem stilisierten, dabei aber sehr kraftvollen Bewegungen auf der traditionell leeren Bühne.
Begleitet werden sie von zwei Trommeln und der Bambusquerflöte Nōkan, während der meistens einstimmig in tieferen Lagen singende Chor oft die Handlung erzählt oder die Gedanken der Figuren ausspricht. Daraus entsteht jene strikt antinaturalistische, auf Psychologie und alle Bühnenillusionen verzichtende Formstrenge, die auch viele westliche Theatermacher nachhaltig inspiriert hat.
Gelegenheit, Aufführungen tatsächlich zu sehen, hat man im Westen freilich nach wie vor selten, weshalb man der Pariser Cité de la musique dankbar sein muss, die im Februar eigens eine traditionelle Nō-Bühne in ihren Konzertsaal eingebaut ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Michael Stallknecht
Gewagtes Bild. Gemalt hat dieses Porträt, das in der Dresdner Gemäldegalerie hängt und den Titel «Die Gambenspielerin» trägt, um 1640 Bernardo Strozzi, ein venezianischer Künstler, für den auch Monteverdi Modell stand. Es zeigt eine junge Frau mit ernst-traurigem Blick, einem Rosenzweig im Haar, die Gambe samt Bogen in der Linken, den rechten Arm lässig auf ein...
Sie war nicht nur eine international anerkannte Primadonna, sondern auch eine zentrale Figur des Wiener Musiklebens: die Sopranistin Hilde Zadek. Mehr als ein Jahrhundert hat die am 15. Dezember 1917 im damals noch deutschen Bromberg geborene und in Stettin aufgewachsene Künstlerin erlebt, am 21. Februar ist sie in Karlsruhe gestorben. Als junge Frau musste sie...
Im dialektischen Sinn verhält sich das experimentelle Musiktheater «Lullaby Experience» passgenau zum diesjährigen Motto des Festivals «Frankfurter Positionen». Denn in Pascal Dusapins Musiktheater geht es gar nicht um «Grenzen der Verständigung», sprich: um Kommunikation oder deren Scheitern. Sondern um das Aufrufen und Verdichten frühester musikalischer und...
