Editorial
Chaos tobt um das Theater der größten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns. Als sei das Volkstheater Rostock durch die Entscheidung, das Ballett und die Opernsparte auszu-
lagern, nicht schon genug gebeutelt, setzte der parteilose Oberbürgermeister Roland Methling auch noch den Intendanten vor die Tür, der gerade damit begonnen hatte, das Haus wieder in Schwung zu bringen. Auf Sewan Latchinian ruhten große Hoffnungen. Im kleinen Senftenberg war es ihm schon einmal gelungen, das Ruder an einem gefährdeten Theater herumzureißen.
Seine Berufung nach Rostock ließ sich freilich auch als kulturpolitisches Statement lesen: Nach dem Dirigenten Peter Leonhard setzte man nun auf einen Schauspielexperten. Und suchte so auch Landeskulturminister Mathias Brodkorb (SPD) zu besänftigen, der dem unterfinanzierten Vier-Sparten-Haus schon lange eine Schrumpfkur verordnen möchte – wir haben ausführlich darüber berichtet (siehe OW 7/2013). Die Zuschüsse des Landes und der Stadt sind bei 16,6 Millionen Euro eingefroren, für steigende Tarife und Inflation gibt es keinen Ausgleich. Ab 2020 sollen sie auf 18 Millionen steigen, gleichzeitig soll das Theater aber für die Kosten eines zwingend benötigten Neubaus in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Nichts gegen Kontinuität! Als Cathérine Miville vor 13 Jahren von dem nach Erfurt wechselnden Guy Montavon die Gießener Intendantenstaffel übernahm, wurde das kleine Haus in Mittelhessen kaum einmal überregional wahrgenommen. Das hat sich allmählich, aber auffällig und in der Summe heftig geändert. Nun gibt es, vor allem in der Oper, eine Fülle von Produktionen,...
«If you can’t beat them, join them!», sagt man im Englischen: Wenn du sie nicht schlagen kannst, verbünde dich mit ihnen. Als in den 1920er-Jahren eine Modewelle nach der anderen von den USA gen Europa hinüberschwappte, folgte so mancher Operettenkomponist im deutschsprachigen Raum diesem Rat. Peppte die Partituren mit – mehr oder weniger gut nachempfundenem –...
Der Begriff «Belcanto» scheint auf vieles anwendbar – auch Hunde hat man schon so gerufen. Ihn wörtlich als Schöngesang zu übersetzen, ist unzureichend, denn eigentlich steht er für die haute cuisine der Gesangstechnik; im Vergleich dazu schmeckt das robuste Staudruck-Stemmen wie Currywurst. Zugleich repräsentiert dieser Begriff eine Periode der Musikgeschichte, in...
