Nicht nur «Meistersinger»
Es dauert noch etwas, bis der auf Vorschuss verliehene Titel «Bayerisches Staatstheater» im fränkischen Nürnberg wirklich eingelöst wird. Doch der neue Name schmückt schon mal das Haus, auch wenn der Freistaat erst 2009 die Hälfte der Subventionen übernimmt, die bis dahin weiter mehrheitlich aus der klammen Stadtkasse kommen. Oberbürgermeister Ulrich Maly hatte also Recht, als er beim Jubiläumsständchen fürs hundertjährige Nürnberger Opernhaus neulich nicht bloß die zweite Stimme im Loblied von Ministerpräsident Edmund Stoiber übernehmen wollte.
Tatsächlich dürfte die halbstaatliche Zukunft schwerlich die kurvenreiche Geschichte des städtischen Musiktheaters in Nürnberg übertreffen.
Was war doch möglich zu Zeiten, da in der Gesellschaft noch längst nicht der heutige Wohlstand herrschte, aber offenbar Einvernehmen darüber herzustellen und zu bewahren war, dass dieser Ort – unabhängig von der Frage, ob Nürnberg noch mit «des Reiches Schatzkästlein» kokettierte, sich als «Stadt der Reichsparteitage» spreizte oder mit allmählich schwindendem Stolz als «Arbeiterstadt» firmierte – ein so exotisch luxuriöses Institut brauchte. 1905 war es der teuerste Opernhausneubau in ganz Europa. Als ...
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Es war kein Abend des Bühnenbildners. Ein zum Käfig umfunktioniertes Bettgestell für Tatjanas Briefszene und ein schmaler Steg für das Duell sind die einzigen nennenswerten «Bauten» in David Hermanns Inszenierung von «Eugen Onegin». Es sind die Menschen, die die Bühne beherrschen: ihre Unfähigkeit sich zu begegnen, die unausgesprochenen Sehnsüchte, die...
Das Debüt ist lange her. Vor sechsundzwanzig Jahren dirigiert Daniel Barenboim den «Tristan» zum ersten Mal: an der Deutschen Oper Berlin, wenig später dann in Bayreuth. Damals waren viele, nicht nur im Orchester, skeptisch. Würde ein weltberühmter Pianist, der zwar das Orchestre de Paris leitete, aber wenig Opernerfahrung hatte, das wirklich hinkriegen?...
Bürgt der Volkston in den «Wunderhorn»-Texten für eine leichtere Umsetzung in Musik?
H. R.: Ja, denn er bietet dem Komponisten mehr Raum als ein Gedicht aus der Kunstlyrik, das in sich viel strenger gefügt ist. Beim «Wunderhorn» haben wir diese Sprünge, die die Texte machen, bei denen also, verglichen mit ihren Vorlagen, manchmal ganze Strophen ausgelassen werden,...
