Frischzellenkur
Herr Hengelbrock, Sie gelten als Nonkonformist. Was stört Sie am Musikbetrieb?
Es ist eine Tendenz unserer Zeit und auch des hemmungslosen Kapitalismus, dass alles komprimiert wird auf die bestmöglichen Verwertungsmöglichkeiten. Wenn ich Musik reduziere auf die rein technischen Parameter – höher, tiefer, lauter leiser –, dann komme ich zwar mit wenig Proben aus, aber es fehlt jede Spiritualität, es fehlt alles, was das Kunstwerk ausmacht.
Trotzdem fällt auf, dass Sie viel dirigieren – Auftritte in Salzburg, Luzern, München, mit Balthasar-Neumann und anderen Ensembles – wie ist das konditionell zu schaffen?
Finden Sie, dass es viel ist? Ich finde eigentlich nicht. Wenn man Musik mit den Musikern macht, wenn die Atmosphäre gut und kollegial ist, wenn man zusammen die Freude teilt, dann gibt das sehr viel Kraft. Die, mit denen ich zusammen arbeite, sind alles Leute, die sich selbst immer wieder im Musikzusammenhang erfahren wollen. Wir kommen da über die Musik, glaube ich, doch zu sehr tiefen Berührungspunkten. Es ist immer wieder ein beglückendes Erfahren der eigenen Grenzen, etwa wenn man beschließt, wie wir es gerade gemacht haben, Bachs h-moll Messe auswendig zu singen und sie dann ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Aufführungsrezension: Der Freischütz
Hengelbrock inszeniert "Don Giovanni"
Hengelbrock über Mozart
Eine Gemeinschaftsproduktion von Oper und Ballett. Für Christian Spuck, den renommierten Hauschoreografen des Stuttgarter Balletts, ist der Weg des Orpheus, wie ihn Glucks Musik erzählt, eine Jenseitsreise, eine Initiation, die den thrakischen Sänger bei seinem Versuch, seine tote Geliebte wiederzugewinnen, über die Erde hinaus in die Unterwelt und ins Elysium...
Die Enttäuschung darüber, dass der von Stress und Pech verfolgte Rolando Villazón sich nicht in Baden-Baden für die Rolle des Werther würde einfinden können, war groß. Viele Besucher machten Gebrauch von dem Angebot, die Karten zurückzugeben. Sie verpassten so nicht nur eine glänzend disponierte Elina Garanca, deren Charlotte vergessen machte, dass «Werther» die...
Erinnern wir uns. Erinnern wir uns an Helsinki, September 2004. An das Meer, das auf unerklärliche Weise den Weg auf die Bühne der Finnischen Nationaloper genommen hatte, und an diesen transparenten, weiß und schwarz schimmernden Nachen, wie von Lohengrin ersonnen, aber nicht von ihm gezogen, darin ein Mann den Weg zur fernen, ja unsterblichen Geliebten suchte und...
