Pionierarbeit
Dass einer über Musik schreibt und doch das Ganze der Gesellschaft im Auge behält, ja, dass es ihm darum zu tun ist, auch in der Musik die Gesellschaft, ihre Strukturen und Probleme zu identifizieren und die abstrakteste der Künste dadurch an die Konkretheit des Lebens zurückzubinden, das eine im anderen zu finden, ohne es auf dieses zu reduzieren – diese Fähigkeit des Überblicks, die den souveränen Umgang mit dem Gegenstand des eigenen Inte-resses voraussetzt, ist in unseren Zeiten selten geworden.
Es bedarf eines ebenso überlegenen wie widerständigen Charakters, um gegen den allgemeinen Trend die eigenen Arbeiten nicht als bloße Anachronismen erscheinen zu lassen, die gegen den Zeitgeist nicht mehr ankommen, sondern in ihnen und mit ihnen noch einmal vorzuführen, wozu ein Wissen gut ist, das nicht in fachlicher Partikularität aufgeht.
Ulrich Schreiber war von solchem Zuschnitt, er war eine überragende und imponierende Figur der deutschen Musikpublizistik. Er verfügte über ungemein breite und genaue Kenntnisse nicht nur in der Musik, der Literatur und dem Theater, sondern auch in Geschichte, Gesellschaft und Politik. Begabt mit einem scharfen analytischen Verstand, in seinen ...
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Eine Ära ist zu Ende gegangen. Nach dreizehn Jahren hat Klaus Pierwoß, dienstältester Bremer Nachkriegsintendant, in diesem Sommer seine von vielen Erfolgen und überregionaler Anerkennung begleitete Tätigkeit in der Hansestadt abgeschlossen. Eine Zeit, die für den Amtsinhaber nicht ohne Anfeindungen verlaufen ist, vor allem seitens der offiziellen Bremer...
Herr Pierwoß, Bremen und seine Theaterpolitik – ist das für Sie Anlass zu einem Rückblick im Zorn?
Ganz zweifellos. Vor einiger Zeit, als wir an dem Buch über meine Bremer Jahre arbeiteten, das jetzt herausgekommen ist, bin ich noch einmal detailliert meine dreizehn Spielzeiten durchgegangen. Und da sind bei mir doch viele Aggressionen wieder hochgekommen....
Die Beziehung zwischen einem Intendanten und seinem Haus führt, nicht anders als bei Ehepaaren, manchmal zu einer seltsamen Form von Mimikry: Das Selbstverständnis eines Fünfhundert-Personen-Betriebs verdichtet sich dann, so kommt es einem vor, nicht nur in der Person des Chefs, sondern sogar in bestimmten Details seiner Kleidung. Die legendäre Lederweste Götz...
