Krieg und Lieben
Vom ersten Augenblick an Apokalypse. Dunkle Gestalten in Camouflage-Hosen rennen über die Bühne, setzen sich die Heroin-Nadel. Hunde schnüffeln an Leichen, auf frischen Gräbern stecken schäbige Holzkreuze. Im Hintergrund dräut ein wolkenzerrissener schwarzer Himmel vor den Ruinen einer zerschossenen Stadt. Das könnte Sarajevo sein, aber auch Verona. Denn, man glaubt es kaum, eigentlich sind wir hier in Gounods Liebesdrama «Roméo und Juliette».
Der südfranzösische Regisseur Olivier Py, der 1998 ein Theaterstück über Srebrenica geschrieben hat, lässt die Oper mitten in einem Krisengebiet spielen, das stark an die Bilder vom jugoslawischen Bürgerkrieg erinnert. Statt verfeindeter Familien bekämpfen sich Volksgruppen. Das ist gerade in Amsterdam pikant, waren es doch niederländische Blauhelm-Soldaten, die beim Verbrechen von Srebrenica tatenlos zusahen. Die These des Regisseurs: «Romeo und Julia» ist kein Stück über die Liebe, sondern eines über den Krieg. Wenn ringsumher der Tod regiert, so scheint diese Liebe nur besonders ausgeprägt – so stark wie die lebhaften Farben beim Fest der Capulets im ersten Akt, die aus dem düsteren Bühnenbild von Pierre-André Weitz hervorstechen wie ...
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Ein wenig erinnert er an Peer Gynt. Wie der Titelheld aus Ibsens Drama, so ist auch Stefan Solyom viel herumgekommen in der Welt. Doch die Motivation hinter der Reiserei könnte unterschiedlicher nicht sein. Gynt, der Unglücksrabe, sucht (vergeblich) das Leben und die Liebe. Solyom, das Glückskind, hat beides schon gefunden. Und dazu seinen ersten festen Job. Seit...
Wo Türen und Fenster undicht sind, zieht es, und Hoffmann ist mitten darin. Zappelnd Starres dient dem, Traum wird frei, ruft jedem nach.» So hatte 1930, halb philosophisch raunend, halb expressionistisch stammelnd, Ernst Bloch seine Kritik von Otto Klemperers berühmter Produktion an der Berliner Kroll-Oper begonnen. Offenbachs fantastische Oper ist Urgestein des...
... und wenn sie nicht gestorben sind. Das ist das lieto fine vieler Märchen. Am Ende des neuen «Ring» an der Hamburgischen Staatsoper ist Siegfried nicht gestorben. Nach dem Weltbrand steht er mit rücklings blutbeflecktem Hemd am Fenster und blickt versonnen – wohin? Er rührt sich nicht, wenn ihm Brünnhilde, die sich zuvor mit seinem Schwert die Pulsadern geöffnet...
