Schadet nichts!
Wind, Meer und der salzige Geruch kleiner Jungs: Peter Grimes könnte man auch als britisch- hemdsärmelige Version von Thomas Manns Tod in Venedig lesen. David Aldens Inszenierung von der English National Opera (2009), die derlei anregt, wurde schon nach Antwerpen, Gent und Oviedo transferiert. Dass auch ein großes Haus wie die Deutsche Oper Berlin darauf zurückgreift, zeigt die große Nachfrage und die Verlegenheit zugleich, Neues zu dem robusten Meisterwerk auszusagen.
In Berlin will Donald Runnicles einen großen Britten-Zyklus starten.
Und tut das zu ehrgeizlos pragmatisch, zu geradeaus und unverstellt drauflos für einen viel versprechenden Auftakt. Die Story vom Knabenmissbrauch (aber ist es denn einer?) und von blauen Flecken (aber woher kommen sie denn?) lebt vom Unausgesprochenen. Von der Schuld im Indirekten. Vom Geheimnis, das ein Geheimnis bleibt. Gerade dafür ist Runnicles’ unauratischer Dirigierstil denkbar wenig prädestiniert. Sein Engagement scheitert auf hohem Niveau. Man ist erstaunt, hier jemanden ausgerechnet von seinem Steckenpferd stürzen zu sehen.
Christopher Ventris (in der Titelrolle) war schon immer ein etwas persönlichkeitsarmer Darsteller. Was ihm an ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Kai Luehrs-Kaiser
Im Jahr 1946 spülte es den 20-jährigen Hans Werner Henze nach Heidelberg zu Wolfgang Fortner. «Fast zufällig hatte nach dem Krieg mein Weg mich nach Heidelberg geführt, einer Stadt, deren Zauber und Verträumtheit in Not geraten waren, von der Anwesenheit der wohlgenährten, gepanzerten Sieger bedrängt und in Frage gestellt. Dem mittellosen Schüler, der ich war,...
Ein lang anhaltendes Tiefdruckgebiet liegt über den Opernhäusern der mecklenburgischen Ostseeküste. Seit Jahren lauert die Fusion von Schwerin und Rostock, zwei Städten, die sich traditionell nicht grün sind. Das Ministerium hat eine Münchner Managementfirma beauftragt, entsprechende Szenarien auszuarbeiten, wieweit sie umgesetzt werden, ist immer noch unklar. Der...
Mit den letzten 42 Takten seines 1829 uraufgeführten Schwanengesangs Guillaume Tell hat Rossini die Tür in ein neues Jahrhundert aufgestoßen. Schwebende Klangflächen über harmonisch labilen Dreiklangsbrechungen evozieren nicht nur den Sonnenaufgang der Freiheit, der auf die Nacht der Tyrannei folgt, sondern auch eine ungewisse Zukunft. Bis zum erlösenden C-Dur ist...
