Pathosfrei
Was die Frage der schnellen «Parsifal»-Tempi betrifft, liegt Gustav Kuhn sicher richtig. Wagner wollte einen durchweg flüssigen Duktus für sein Bühnenweihfestspiel. Kein Pathos, keine bis an die Grenzen der Spielbarkeit (Atem der Bläser!) getriebenes Stillstehen der Zeit. Insofern ist die Initiative aus Erl zu begrüßen: «Parsifal» auf nur drei CDs. Trotzdem fragt man sich, ob diese CDs mehr sein können und wollen als ein Souvenir für diejenigen, die in Erl waren.
«Parsifal» ist diskografisch hervorragend vertreten (auch in schnellen Tempi: Pierre Boulez, Rafael Kubelik, Clemens Krauss). Und so unüberhörbar Gustav Kuhn sein Handwerk beherrscht, große Bögen schlägt und den Sängern gibt, was sie brauchen: Bei instrumentalen Details hapert es; vor allem gehen Hauptstimmen oft als bloße Begleitung unter (zum Beispiel in Parsifals «Amfortas!»-Monolog). Alle Rollen kann man in anderen Aufnahmen besser hören. Am souveränsten schlagen sich Michael Baba in der Titelpartie und Thomas Gazheli als Amfortas (Letzterer trotz massiver Vokalverfärbungen). Den Tiefpunkt markiert Manfred Hemm als Gurnemanz. So gesungen werden die Erzählungen des Gralritters selbst bei schnellen Tempi zu lang.
Die ...
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