Borderliner im Hinterhof
Da ist kein Becher mit dem Fächer, kein Kelch mit dem Elch. Und kein Hofnarr, wie ihn etwa Danny Kaye verkörperte. Sondern ein neurotischer Bruder Wozzecks – mit nacktem Oberkörper und verbogener Körpersprache, eine schmutzige Krause um den Hals, Außenseiter, aggressiver Borderliner, Ekel vom Dienst und daher Opfer von Mobbing und Häme.
So legte Simon Keenlyside den Rigoletto in der Premiere an der Wiener Staatsoper an, fiebrig, fesselnd, mit enormem persönlichem Einsatz – und doch scheiternd im Kampf gegen einen Virus, der ihn schon länger geplagt und gezwungen hatte, unter anderem die
Generalprobe auszulassen. Indes sollte und wollte der Londoner die Premiere singen, wohl auch der TV-Ausstrahlung (im ORF und in Classica) wegen. Er schaffte es, angestrengt und gleichzeitig überrumpelnd, immerhin bis zum «Cortigiani, vil razza dannata». In der Szene mit Gilda verlor er die Stimme und verließ die Bühne; nach kürzerer Pause, in der Myung-Whun Chung das Staatsopernorchester unbarmherzig weiterspielen ließ, kam er wieder, um den zweiten Akt zu Ende zu markieren. Ein Desaster? Oder ein Drama, wie es das Leben manchmal eben schreibt? Den dritten Akt sang Paolo Rúmetz, der bereits in der ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhard Persché
Mit Zuckerlächeln piepst sie Emmerich Kálmáns Melodien. Stampft, lacht, steppt. Fliegt durch die Luft, entsorgt ihren Tanzpartner in ein Fass und tanzt den Csárdás umstandslos mit einer Frau weiter: Marika Rökk war Sylva Varescu im Film «Die Csárdásfürstin», den ihr Mann Georg Jacoby zu Beginn der 1950er-Jahre drehte. Das Teufelsweib, das aus dem Musikfilm der...
Olivier Py hat in seiner Pariser Inszenierung Francis Poulencs Passionsspiel über den Märtyrertod der Karmeliterinnen von Compiègne während der Französischen Revolution auf seinen existenziellen Anlass und Kern reduziert: die Lebens- und Todesangst der Novizin Blanche de La Force, die sich ins Kloster flüchtet, aber auch dort nicht die Ruhe findet, die sie sucht....
Frau Johannsen, kaum jemand gibt in jungen Jahren eine feste Stelle auf, weil das Repertoire nicht ideal ist. Sie haben es trotzdem riskiert. Warum?
Ich hörte von den verschiedensten Seiten immer wieder: «Du solltest mehr Barock singen!» Tatsächlich war es, wenn ich Händels «Messias» sang, immer so, als ob ich das den ganzen Tag tun könnte. Aber fest an einem...
