Lauter Aufbrüche
Puccini als Einnahmequelle. Wenige Rollen dürften zur Alterssicherung einer erfolgreichen Sängerin so gut taugen wie die auf offener Bühne ausgetrickste – und sich dafür schon vorher bitter rächende – Floria Tosca. Als Rückzugspartie für den gepflegten Diven-Ausstand haben zahlreiche Sängerinnen die Rolle lange gesungen – jeder Melomane bewahrt Erinnerungen an Sopranistinnen in seinem Herzen, die er zwar kaum noch, als Tosca aber doch noch live hören durfte. Anders gesagt: Es tut gut, ein «Tosca»-Debüt bei guten, ja besten Jahren einer Sängerin zu erleben.
Karita Mattila, nach Fortschritten zu Salome und Jenufa, liefert als Tosca ein Porträt von ebenmäßig gerundeter, gesund individualisierter und meist berückender Strahlkraft. Die tränenden Höhen ihres «Vissi d’arte» gehören keinem Bravourstück, sondern dem Bekenntnis einer melancholisch angeschlagenen Kämpfernatur. Bei «Mario, Mario» dunkelt und dickt sie die Vokale leicht ein. Manches Legato schliert, bei Impulslauten wie in «Aspetta» merkt man Krafteinsatz und Überfülle des Atems. Aber: Welche Prachtentfaltung pastellartig gedeckter Farben, dunkler Untergründe und weiblicher Konflikte. Als Scarpia sich ihr nähert, kostet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Saison mit einer Neuinszenierung zu eröffnen, ist im Opernbetrieb weltweit gang und gäbe. Die Met jedoch hatte sich seit 1987 für Revivals und hochkarätig besetzte Star-Galas entschieden, deren Programme sich aus herausgelösten Akten verschiedener Opern zusammensetzten. Peter Gelb, der Intendant (und bis vor kurzem umstrittener Chef von Sony Classical) hat...
An diesen Basler Start wird man noch eine Weile denken. Kaum dass die Aufführung von Sergej Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» fünf Minuten alt war, brach Armin Jordan an jenem Pult zusammen, an dem er von 1971 bis 1989 als Chef gewirkt hatte und jetzt nach siebzehn Jahren erstmals wieder erschienen war. Vier Tage nach diesem Saisoneröffnungsabend des neuen...
Mangelnde Originalität im Mozart-Jahr kann man dem Opernhaus von Cagliari nicht vorwerfen. Die in dem sardischen Theater entstandene Ersteinspielung von Jules Massenets «Chérubin» ist ein überraschender Beitrag zur Rezeption der da-Ponte-Opern. Cherubino erscheint in Massenets später Comédie chantée als siebzehnjähriger Bursche, der bereits etliche Liebesabenteuer...
