Kreisch, seufz, jauchz, peng!
Man traut seinen Ohren nicht. Als hätte man nicht schon immer die selbstbewusste Kraft und radikale Originalität von Schostakowitschs Gogol-Adaption «Die Nase» (Leningrad/St. Petersburg, 1930) geschätzt, nicht schon immer registriert, um wie viel «moderner» sie ist als vieles andere, das seither seine Avantgarde-Kanten eingebüßt hat. Was Ingo Metzmacher da mit dem erneut exzellenten Zürcher Opernorchester zuschliff, hat auch für uns Heutige noch genug Aufsässigkeit, Mutwillen, Ätzendes. Damals muss es tollkühn gewirkt haben.
Diese Musik keift, kräht, kiekst und kobolzt. Sie hüpft, plärrt, flitzt und jauchzt. Sie schnattert, überschreit sich, tobt und faucht. Sie gellt, galoppiert, walzt und gestikuliert. Sie hetzt sich ab, quietscht, schnarcht und räuspert sich. Aber die Musik zu der beinahe tragischen, tief pessimistischen Burleske trauert auch. Sie jammert und flennt mit dem malträtierten Helden der ersten Oper des gerade 22-jährigen Komponisten. Und wir schmunzeln immer noch über ihren grotesken Witz, wenn eine freche Polka über Stock und Stein rumpelt, ein keck-komischer Galopp den Flirt mit der Banalität wagt und ohne Pause in die fromme Sphäre des russisch-orthodoxen ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Heinz W. Koch
Wer ist die Hauptperson in Giacomo Meyerbeers 1865 an der Pariser Opéra posthum aufgeführter Oper: Vasco da Gama, der portugiesische Eroberer und Entdecker des Seewegs nach Indien, oder seine von ihm verlassene farbige Geliebte Sélika? Auf diese für das Verständnis des Werkes entscheidende Frage geben die textlichen und musikalischen Quellen keine eindeutige...
Er war Lieblingsschüler und Freund Franz Liszts und ein zu seiner Zeit in mehreren Genres erfolgreicher Komponist; heute ist er aus dem Opern- und Konzert-Repertoire vollständig verschwunden: Anton Urspruch (1850-1907), dessen Werk man mit dem Etikett «spätromantisch» nicht ganz gerecht wird. Seine komische Oper «Das Unmöglichste von Allem», 1897 unter Felix Mottls...
Die Idee leuchtet ein: Da Wagner zur Entstehungszeit seines «Tannhäuser» mit den Gedanken des Anarchismus mehr als nur liebäugelte, überträgt Tobias Kratzer in seiner Bremer Inszenierung des Werks diese Idee auf den Venusberg. Woraus sich zunächst einige spannende Szenen entwickeln. Etwa die eines Banküberfalls, dessen Dramatik sich genau dem Erregungsgrad des...
