Hitparade
Der Schöpfer selbst nannte sein Werk eine «Oper ohne Komponisten». Tatsächlich war es eine Reihe von (ahnungslosen) Tonsetzern, bei denen sich Lorenzo Da Ponte für sein Pasticcio «L’ape musicale» («Die musikalische Biene») bediente. Die Sache erwies sich als so ertragreich, dass er das Potpourri gleich viermal auf die Bühne brachte: in Wien (1789 und 1791), in Triest (1792) und schließlich in New York (1830), wo sein abenteuerliches Leben 1838 nach 89 Jahren ausklang.
Für jede dieser Aufführungsserien fügte er beliebte Nummern aus der jeweils vorausgegangenen Opernsaison ein, eine turbulente Probe diente als Rahmenhandlung. Sich selbst hatte Da Ponte als armen Poeten porträtiert, der den Launen gieriger Impresarii, reicher Geldgeber, gewissenlos flickschusternder Notenschreiber und rivalisierender Stars ausgeliefert ist.
Das mag heute nach einer klischeetriefenden Opernsatire klingen, doch musikalisch bieten die vier Versionen die Hitlisten eines sehr speziellen Beobachters, der hier die wechselnden Vorlieben des öffentlichen Geschmacks über vier Jahrzehnte spiegelt. So heißt es in der Librettofassung von 1830 über Rossini: «angesagter Maestro, bewundert und verehrt wie Mozart». ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Carlo Vitali
Dalibor ist gleich Florestan, Milada gleich Leonore, Wladislaw gleich Pizarro, Beneš gleich Rocco: Das Spiel geht – abgesehen von kleineren inhaltlichen Details – fast auf. Weniger mit einem Bedřich Smetana auf Plagiatstrip hat das zu tun, sondern mit dem Genre an sich. Rettungsopern bildeten ab Ende des 18. Jahrhunderts ein eigenes Biotop, behaupten kann sich bis...
Gemessen an den Preisen, die sie bislang abgeräumt hat – beispielsweise den Beverly Sills Award der Met (2018) und den Richard Tucker Award (2017) –, ist es schon fast erstaunlich, dass Nadine Sierra (30) erst jetzt bei einem Major Label ihr CD-Debüt gibt. Zumal die aus Florida stammende Sopranistin mit familiären Wurzeln in Puerto Rico und Portugal ziemlich genau...
Im frisch renovierten Nationalmuseum von Stockholm kann man der Konstruktion nationaler Identität nachgehen: Wie Wikingerfolklore Keramik für die Pariser Weltausstellung 1889 inspirierte, einfach weil sich das Ausland etwas mit Wiedererkennungswert wünschte. Oder wie Anders Zorn seinen «Mittsommertanz» von 1897, jenen Inbegriff schwedischer Volksnatur, aufwendig...
